Gemeinsam Lösungen finden - verantwortlich handeln
24.10.2007: Alumni-Portrait der Leadership Gallery inWEnt
"Wenn du die Welt verändern willst, dann fang mit der Person an, die dir jeden Morgen in deinem Badezimmer entgegenschaut!"
Austausch und Dialog zwischen Menschen und Kulturen - dies sind Schlüsselbegriffe für Özcan Mutlu. "Chancengleichheit in Bildung und Ausbildung" und "Miteinander statt Nebeneinander - Integration statt Ausgrenzung" lauten seine Leitsätze, an denen er sich als Kommunalpolitiker orientiert. Bisher haben wenige Einwanderer den Weg in ein deutsches Parlament geschafft. Özcan Mutlu bildet eine dieser Ausnahmen. Der gebürtige Türke mit deutscher Staatsangehörigkeit, dessen Nachname "glücklich" bedeutet, sitzt seit November 1999 für die Partei "Die Grünen" im Berliner Abgeordnetenhaus.
Geboren wurde der studierte Diplomingenieur für Nachrichtentechnik in der Türkei, in Kelkit, einer Provinz unweit vom Schwarzen Meer. Mit fünf Jahren kam er nach Deutschland. Seine Familie folgte dem Vater, der seit 1970 in Berlin lebte und arbeitete, nach Berlin-Kreuzberg, in eine der größten türkischen Gemeinde außerhalb der Türkei. Und bis heute ist Berlin-Kreuzberg für ihn der "bunteste und vielfältigste Berliner Bezirk", in dem er mittlerweile mit seiner Frau und zwei Kindern lebt. Als Kind türkischer Immigranten spielten Lernen und interkultureller Austausch immer eine wichtige Rolle im Leben des Berliner Abgeordneten. Als bildungspolitischer Sprecher seiner Partei gehört der gleichberechtigte Zugang Aller zu einer guten Bildung zu seinem Schwerpunktthema. Auch privat setzt er sich für Erziehung und interkulturelle Verständigung ein, als Gründungsmitglied des Fördervereins der Deutsch-Türkischen Europaschule und des Partnerschaftsvereins Kreuzberg-Kadiköy e.V. Er ist auch Mitbegründer der bundesweit einzigen Deutsch-Türkischen Europasschule in Berlin.
Sein beruflicher Werdegang brachte den 39-jährigen Özcan Mutlu zunächst mit den harten Fakten der Kommunikationstechnik in Berührung. Zwischen 1985 und 1998 ließ er sich an der TU-Berlin zum Informationselektroniker ausbilden. Nach einem halbjährigen Praktikum an der Universität von Omaha (USA) als Stipendiat der Carl-Duisberg-Gesellschaft ( heute InWEnt ) studierte er bis 1993 an der TFH-Berlin Elektrotechnik und arbeitet anschließend als Ingenieur in einem Telekommunikationsunternehmen. Gleichzeitig wurde 1992 als Mitglied der "Grünen” in die Bezirksverordnetenversammlung Kreuzberg gewählt, wurde Fraktionsvorstand und schulpolitischer Sprecher. 1999 wurde er direkt in das Abgeordnetenhaus gewählt und zählt seit dem zu den wenigen Mandatsträgern seiner Partei mit Direkmandat, seitdem ist er Vollzeitpolitiker. Wenn der Kommunikationsingenieur und Politiker von seiner Arbeit spricht, wird deutlich, dass der Aufbau gut funktionierender Verständigungssysteme immer noch die wichtigste seiner beruflichen Aufgaben ist. "Als bildungspolitischer Sprecher gilt mein besonderer Einsatz der Chancengleichheit aller Kinder und Jugendlichen in der Bildung. Sie ist maßgeblich für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung ebenso wie für gesellschaftliche Integration. Ein gleichberechtigter Zugang zu Bildung für alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Geldbeutel, Respekt und Anerkennung statt Ausgrenzung - dafür kämpfe ich und empfinde dies als besonders bereichernd."
Dabei gilt für ihn die Devise "Mehr Bildung - Mehr Respekt” Hier sieht er auch die vordringliche Aufgabe, Chancengleichheit herzustellen. Für die Alumni-Arbeit von InWEnt sieht er hier besondere Herausforderungen in der Weiterbildung, für den Aufbau von Netzwerken und die Kontaktpflege zu anderen Alumni. Auf seiner eigenen Website, die zu den best gepflegten Internetseiten deutscher Politiker zählt, findet man Pressestimmen zur Zuwanderungspolitik ebenso wie den UN-Klimareport - auch auf Türkisch und Englisch. "Jeder Mensch ist begabt - fördern wir ihn” fordert er dort und erläutert seine Gedanken zu einer Reform des Schulsystems. Sein Engagement für eine multikulturelle Gesellschaft kann auch einmal darin bestehen, in einer Disko in Mitten von Berlin bis zum Morgengrauen zu tanzen, wie ein Artikel in der Washington Post berichtet. "In einem Club, der von jungen, blonden Blauäugigen dominiert wird, ist ein leicht kahlköpfiger deutscher Türke muslimischen Glaubens ein Merkwürdigkeit,” heißt es dort. Der erste Schritt zu einer funktionierenden Integrationspolitik ist es eben, in einer Welt, die aktuell eher mit Gruppenbildung beschäftigt ist, selbst einen Weg der Integration zu gehen.




