Unterrichtsausfall: Senator kündigt Neueinstellungen an
Bislang rund 30 befristete Verträge abgeschlossen - Opposition fordert eigene Personalbudgets für Schulen Hoffnungsschimmer für die Schulen: Zum nächsten Schuljahr wird das Land nach Angaben von Bildungssenator Klaus Böger (SPD) neue Lehrer einstellen. Wie viele das sein werden, soll aber erst nach den Osterferien feststehen. Bisher habe das Land "mehr als 30 befristete Verträge" abgeschlossen, sagte Senatsbildungssprecher Jens Stiller. Die Zeitverträge hätten ebenso wie die Umsetzungen von Lehrern dazu beigetragen, Engpässe zu beseitigen. Mittlerweile gebe es "deutlich weniger" Schulen ohne Vertretungsreserve, sagte Stiller. Die Zahl von 98 unterversorgten Grundschulen datiere vom 1. November 2005. Allerdings melde sich jeder dritte Lehrer, der umgesetzt werden soll, krank. "Ein-Euro-Kräfte werden aber nirgendwo für den Unterricht eingesetzt", weist Stiller entsprechende Behauptungen der Lehrergewerkschaft GEW zurück.
Die Opposition wirft der Bildungsverwaltung Versagen vor. "Unterrichtsausfall ist mittlerweile kein vereinzeltes Problem mehr", sagt CDU-Bildungsexpertin Katrin Schultze-Berndt. Sie fordert belastbare Zahlen, wie viele Lehrer für das nächste Schuljahr benötigt werden.
"Es ist eine Mär, daß es zu viele Lehrer gibt", unterstreicht Grünen-Fachmann Özcan Mutlu. Er verlangt eine landesweite Vertretungsreserve für dauerkranke Lehrer und ein eigenes Personalbudget für die Schulen.
Für echte Eigenverantwortung plädiert auch FDP-Schulpolitikerin Mieke Senftleben: "Es wird Zeit, daß der Senat Einsatzplanung und Organisation der Lehrer an die Schulen abtritt."
Nicht die Schulen, sondern die Bezirke müßten künftig die Lehrer einstellen, fordert dagegen Neuköllns Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD): "Eine Zentralsteuerung der Lehrkräfte durch das Land Berlin ist auf jeden Fall nicht mehr zeitgemäß". Seit 1995 mit der Gründung des Landesschulamtes die Zuständigkeit für das Personal von den Bezirken auf das Land übergegangen sei, habe sich die Situation in Berlin verändert. Die heute zwölf Bezirke mit durchschnittlich 2500 Lehrern und 70 Schulen seien überschaubare Größen, in denen "die politisch Verantwortlichen schnell greifbar sind". Dort könne schneller auf Bedarf reagiert und somit Unterrichtsausfall eher vermieden werden. Schimmang forderte zusätzlich mehr Investitionen: "Schule kostet nun mal Geld." Nicht nur der Lehr- und Lernmittelansatz müsse verdoppelt werden, auch eine Vertretungsreserve von fünf Prozent an den Schulen hält er für nicht ausreichend. chb




