Ganztagsschulen: Mehr Zeit und Raum für Kinder!
Elfi Jantzen, gesundheitspolitische Sprecherin, und Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, erklären:
Die Erwartungen an die Ganztagsangebote sind hoch: Mehr Raum für individuelle Förderung, innovative pädagogische Konzepte sowie bessere Förderung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien und mit Migrationshintergrund. Außerdem sollen Ganztagsschulen mehr praktisches und projektorientiertes Lernen ermöglichen und Kindern nicht nur Wissen, sondern vor allem soziale und emotionale Kompetenzen vermitteln.
Mit dem "Leitbild für die Offenen Ganztagsgrundschulen" (MzK 15/4125) des Berliner Senats ist zwar die richtige Zielrichtung benannt. Aber noch gehört es ins Reich der Wunschträume. Denn um all dies leisten zu können, fehlen in vielen Grundschulen die Rahmenbedingungen. Auf dem am Freitag und Samstag tagenden Forum der Ganztagsgrundschulen müssen daher auch die Defizite benannt werden. Nur Mut machen mit guten Beispielen, bringt nichts.
Die räumliche Ausstattung ist an den meisten Schulen völlig unzureichend. Die ohnehin dünne Personaldecke reicht für die vielen zusätzlichen Aufgaben nicht aus. Die bessere Verzahnung von Unterricht, Freizeit und Betreuung und eine Rhythmisierung des Schulalltags bleiben da ebenso auf der Strecke wie die gewünschte Kooperation der in der Schule tätigen Fachkräfte untereinander, mit den Eltern und außerschulischen Partnern. Neue Schulprogramme und Qualitätsentwicklung benötigen aber zeitliche Ressourcen, die in der Personalbemessung bisher nicht hinreichend berücksichtigt sind. Individuelle Förderung, insbesondere der Kinder mit Beeinträchtigungen und Sprachdefiziten, braucht mehr Zeit.
Das Forum sollte dafür genutzt werden, anhand der Erfahrungen einzelner Schulen konkrete Unterstützungsmaßnahmen durch Schulträger und Schulverwaltung zu entwickeln. Es muss auch geprüft werden, ob die Rahmenbedingungen gegebenenfalls geändert werden müssen, damit die eingeleiteten Reformen auch zu besserer Bildungsqualität führen kann.




