Zöllner kürzt bei sonderpädagogischem Förderbedarf
Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, erklärt:
Entgegen bisherigen Beteuerungen sollen im kommenden Schuljahr die Lehrerstunden für den gemeinsamen Unterricht von SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Grundschulen gekürzt werden. Laut den Organisationsrichtlinien für die Lehrkräftezuweisung sollen Schulen künftig für ein lernbehindertes Kind und für ein Kind mit anerkanntem Förderbedarf wegen besonderer Verhaltensprobleme nur noch jeweils 2,5 (statt bisher max. 5,5) zusätzliche Lehrerstunden in der Woche erhalten.
Außerdem wird die Förderung von Kindern mit einer geistigen Behinderung reduziert. Um sie gemeinsam mit SchülerInnen ohne Behinderung unterrichten zu können, wurde diese anspruchsvolle pädagogische Aufgabe noch vor drei Jahren mit 10 zusätzlichen Lehrerstunden pro Woche unterstützt. Im vergangenem Schuljahr wurden diese Mittel auf acht Lehrerstunden reduziert; im neuen Schuljahr sollen hierfür nur noch fünf zusätzliche Lehrerstunden zur Verfügung stehen. Außerdem sollen die reduzierten Klassenstärken und zusätzliche Teilungsstunden in Integrationsklassen im Grundschulbereich aufgehoben werden.
Die geplanten Kürzungsmaßnahmen werden dazu führen, dass Kinder mit Behinderungen wieder zunehmend mehr in Spezialschulen für Behinderte unterrichtet werden, ohne den für ihre Entwicklung wichtigen und notwendigen Kontakt zu nicht behinderten Kindern. Dies steht im krassen Gegensatz zu der Festlegung des Berliner Schulgesetzes, nach der "die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf vorrangig im gemeinsamen Unterricht erfolgen soll".
Der Grundschulverband Berlin fordert zu Recht Bildungssenator Zöllner auf, Kürzungen zulasten des gemeinsamen Unterrichts von behinderten und nicht behinderten Kindern zu unterlassen. Wir schließen uns dieser Forderung an und verlangen vom Senat die Deckelung der Mittel für sonderpädagogischen Förderbedarf aufzuheben und keine weiteren Kürzungen in diesem und anderen Bereichen der Bildung zu tätigen.
(c) Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus - Berlin




