Keine Toleranz für sogenannte "Ehrenmorde"!
Özcan Mutlu, MdA, erklärt:
Mit dem Urteil im Mordprozess Hatun Sürücü darf die Gesellschaft nicht zur Tagesordnung übergehen. Aufklärung und Prävention müssen weitergehen. Um die Betroffenen wirklich zu erreichen, müssen vor allem die MigrantInnen-Communities selber aktiv werden. Mit ihnen gemeinsam wollen wir das Grundrecht auf Freiheit, Gleichheit und körperlicher Unversehrtheit von Frauen sichern, das das Grundgesetz allen Menschen in diesem Lande garantiert.
Die Art, wie vor dem Mord an Hatun Sürücü durch ihre Familie und Brüder versucht wurde, völlige Kontrolle über das Leben der Schwester auszuüben, ist abscheulich. Es verbietet sich, dies kulturell oder religiös zu rechtfertigen.
Prozess und Urteil zeigen der Öffentlichkeit und den Betroffenen, dass im demokratischen Rechtsstaat nur Täter verurteilt werden, deren Schuld erwiesen ist. Wir müssen es hinnehmen, dass mit dem Richterspruch vermutlich die Rechnung der Familie aufgegangen ist und die älteren Brüder aus Mangel an Beweisen freigesprochen werden mussten. Die Tatsache, dass der Mord durch den jüngsten Bruder verübt worden ist, passt genau in das Traditionsschema, das wir von vielen Ehrenmorden kennen.
Gewalt gegen Frauen ist kein originäres Problem des Islam. Dennoch sind Muslima von Gewalt in besonderer Weise betroffen. BehördenmitarbeiterInnen, LehrerInnen und andere müssen sensibilisiert und geschult werden, um diese spezifischen Formen von Gewalt zu erkennen. Schülerinnen und Schülern müssen über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt werden und ihnen muss klar gemacht werden, dass die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu unseren demokratischen Grundrechten gehört, deren Missachtung nicht toleriert wird.




