Sitzenbleiben abschaffen!
01.07.2003: Eine Konsequenz der PISA-Studie:
Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, erklärt:
Morgen gibt es Zeugnisse. Manche Schüler freuen sich, weil sie ihren Eltern gute Noten präsentieren können. Anderen graust es jedoch davor. Sie erfahren, dass sie eine Klassenstufe wiederholen müssen. Damit produziert unser Schulsystem wieder tausendfachen Lernfrust.
Jedes Jahr müssen im Bundesdurchschnitt 3 Prozent der SchülerInnen die Klasse wiederholen. Allein in Berlin sind im vergangenem Schuljahr rund 18.000 SchülerInnen nicht versetzt worden. Das bedeutet Mehrkosten von etwa 81 Millionen Euro.
Zahlreiche Forschungsergebnisse belegen, dass durch das Sitzenbleiben allein kein zusätzlicher Lerneffekt entsteht. "SitzenbleiberInnen" gehören spätestens nach zwei Jahren überwiegend wieder zu den schlechtesten SchülerInnen einer Klasse. Auch die aktuelle europäische Studie EURYDICE belegt, dass die negativen Folgen des Sitzenbleibens bei weitem überwiegen.
Im Unterschied zu vielen ausländischen Schulsystemen reagieren die deutschen Schulen auf Leistungsprobleme noch immer mit der Wiederholung einer Klassenstufe. Sitzenbleiben ist in den Spitzenländern der PISA-Studie kein Thema. Die skandinavischen Länder sowie Japan haben Klassenwiederholung vor Jahren abgeschafft und weisen im internationalen Vergleich überdurchschnittliche Ergebnisse auf.
Statt immer noch mit dem Mittel des Sitzenbleibens zu arbeiten, müssen lernschwache Schülerinnen und Schülern individuell und gezielt gefördert werden. Die Mittel, die durch die Abschaffung des Sitzenbleibens gespart werden, sind so viel besser investiert!




