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Völkerfreundschaft hält länger als 90 Minuten

27.06.2008: Berliner Morgenpost

Nach dem Halbfinale Deutschland gegen die Türkei sieht Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening positive Aspekte für das Miteinander von Deutschen und Türken in der Hauptstadt über das Spiel hinaus. "Was hängen bleibt, ist das Gefühl der Gemeinsamkeit. Es sind die Bilder von Türken, die mit türkischen und deutschen Fahnen ihre Läden und Autos geschmückt hatten", sagte Piening. Er lobt ausdrücklich die Berichterstattung der Medien vor dem Spiel.

"Ich finde es sehr positiv, wie die Deutsch-Türken dargestellt wurden. Es war eben nicht nur eine Konzentration auf die Probleme, die sonst häufig die Berichterstattung prägen", sagte Piening. Auch wenn Fußball keine integrationspolitische Veranstaltung sei, sei es umso wichtiger, dass die positiven Aspekte eines gemeinsamen Fußballfestes in den Köpfen blieben.

Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gewann den friedlichen Feiern nach dem Spiel nur positive Seiten ab. "Die freundschaftliche Atmosphäre hat gezeigt, wie respektvoll sich das Zusammenleben mit den türkischen Mitbürgern entwickelt hat", sagte Wowereit gestern. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat sich nach dem glücklichen Sieg der deutschen Mannschaft selbst einen Überblick auf dem Kudamm verschafft. Nachdem er mit einer Tochter das Spiel in einer Kneipe in Charlottenburg verfolgt hat, feierte er den Sieg mit Tausenden anderen Berlinern am Breitscheidplatz. "Das Spiel hat viel zur Integration beigetragen", sagte Körting.

Für den Bürgermeister von Neukölln Heinz Buschkowsky (SPD), der sich stark in der Integrationspolitik engagiert, sind die friedlichen Fußballfeiern auch ein Zeichen dafür, dass die Mehrheit der Mitbürger friedlich sei. Es sei nur eine kleine Minderheit, die durch ihre Straftaten und ihr aggressives Auftreten ein schlechtes Licht auf die in Berlin lebenden Türken werfe.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus Friedbert Pflüger sagte: "Die Art und Weise, wie das Fußball-EM-Halbfinalspiel zwischen Deutschland und der Türkei von den Berlinern verfolgt und gefeiert wurde, macht Hoffnung. Unzählige Deutsche und Türken haben in unserer Stadt friedlich miteinander das Spiel gesehen und dem jeweils anderen Team Respekt gezollt." Integration bleibe eine herausragende Aufgabe, unzählige Probleme müssten gelöst, Fehlentwicklungen korrigiert werden. "Dabei hilft ganz besonders auch der Sport. Der gestrige Tag hat deshalb Mut gemacht, dass diese Aufgabe gelingen könnte", sagte der CDU-Fraktionschef. Özcan Mutlu, Abgeordneter der Grünen aus Kreuzberg-Friedrichshain und der Kreisverband der Grünen in dem besonders von Türken bewohnten Berliner Stadtteil sagten: "In Berlin und anderen Städten in Deutschland, der Türkei und der Schweiz haben deutsche und türkische Fans zusammen den sportlichen Erfolg gefeiert." Damit sei auf beiden Seiten nicht zur Sportsgeist bewiesen, sondern auch ein lebendiges Beispiel für Integration und multikulturelles Miteinander geliefert worden.

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