Ein Drittel aller Schulen hat zu wenig Lehrer
10.10.2008: Berliner Zeitung
Engpässe vor allem in Steglitz-Zehlendorf und Lichtenberg
von Martin Klesmann
Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat sein Versprechen, die Berliner Schulen zu Beginn des neuen Schuljahres mit 100 Prozent Lehrpersonal auszustatten, nicht halten können. "Nach unserer Schnellumfrage liegt die Lehrerausstattung derzeit bei 99,8 Prozent", sagte Zöllner gestern im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses. Knapp darunter. Auffällig ist, dass die Lehrerverteilung recht ungleichmäßig ausgefallen ist. An Schulen in Steglitz-Zehlendorf sind insgesamt 34 und in Lichtenberg 30 Lehrerstellen unbesetzt. In Charlottenburg-Wilmersdorf fehlen 19 Lehrerstellen, in Mitte lediglich 10. Dagegen haben die zentral verwalteten Schulen in Berlin, also die Oberstufenzentren und Sportgymnasien, deutlich mehr Lehrer als vorgesehen. Auch einzelne Bezirke wie Reinickendorf haben ein paar Lehrer mehr als eingeplant.
Völlig uneinheitlich ist die Lehrerverteilung an den anderen Schulen. Während Schulen wie die im Komponistenviertel in Pankow eine Lehrerausstattung von 112 Prozent haben, verfügen viele Grundschulen nur über gut 80 Prozent der versprochenen Lehrer. In der aktuellen Statistik hat mehr als ein Drittel der Schulen nicht die Lehrerausstattung von 100 Prozent erreicht. Senator Zöllner zeigte sich gestern trotzdem zufrieden. Es habe kaum Beschwerden aus den Schulen gegeben. Immerhin konnte die Verwaltung viele Stellen schon vor Ende des letzten Schuljahres besetzen. "Das hat für weniger Verunsicherung gesorgt", sagte Zöllner. Auch habe die Kommunikation zwischen Schulen und Schulaufsicht besser geklappt. Zöllner hatte eigens den ehemaligen Schulleiter und langjährigen GEW-Chef Erhard Laube zum zuständigen Abteilungsleiter gemacht.
Der Grünen-Bildungspolitiker Özcan Mutlu sprach gestern dennoch von einer "Zumutung für die Schulen" und forderte weitere Neueinstellungen von Lehrern. CDU-Bildungspolitiker Sascha Steuer war verärgert, weil Zöllner die Zahlen bis zuletzt zurückgehalten hatte.
Der Bildungssenator betonte indes, dass die Klassen mit einem hohen Anteil von Migranten sowie mit vielen Schülern aus Hartz-IV-Familien im neuen Schuljahr kleiner geworden seien. In Schulen, in denen über 90 Prozent der Schüler aus diesen beiden Gruppen stammen, kommen auf einen Lehrer durchschnittlich 13,16 Schüler. Das sei günstiger als vor einem Jahr.
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