Cem Özdemir kandidiert trotz Wahlniederlage für Grünen-Parteivorsitz
13.10.2008: FOCUS
Nach seiner Niederlage beim Landesparteitag will Cem Özdemir für das Amt des Bundesvorsitzenden der Grünen kandidieren. Özdemirs Entscheidung wird vom scheidenden Grünen-Parteichef Reinhard Bütikofer begrüßt. "Qualität zeige sich am Wiederaufstehen", so Bütikofer.
Der Grünen-Europaabgeordnete Cem Özdemir hält trotz seiner Niederlage bei der Kandidatenkür zum Bundestag an seiner Bewerbung für den Parteivorsitz fest. "Ich werde auf der kommenden Bundesdelegiertenkonferenz in Erfurt für das Amt des Bundesvorsitzenden kandidieren", erklärte Özdemir am Montag in Berlin. Der scheidende Parteichef Reinhard Bütikofer begrüßte Özdemirs Entscheidung. Qualität messe sich nicht an der Zahl der Niederlage, sondern daran, "wie jemand mit einer Niederlage umgeht", sagte Bütikofer. Insofern sei Özdemir auch nicht geschwächt. Parteiintern wurde allerdings besonders Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn vorgeworfen, Özdemir nicht hinreichend unterstützt zu haben.
An der Bewerbung Özdemirs war gezweifelt worden, nachdem er am Samstag zweimal mit dem Versuch gescheitert war, einen sicheren Listenplatz für die Bundestagswahl auf der baden-württembergischen Landesliste der Grünen zu erhalten. "Mir war das Risiko meiner Kandidatur in Baden-Württemberg bewusst", erklärte Özdemir. Auch habe er "von vielen Seiten aus der Partei in den letzten zwei Tagen sehr großen Zuspruch erhalten, der mir deutlich gemacht hat, dass sich diese Abstimmung nicht gegen mich und meine Bewerbung für den Bundesvorsitz gerichtet hat". Der Grünen-Politiker fügte hinzu, er wolle in das Amt des Parteichefs seine "ganze politische Erfahrung und Leidenschaft einbringen, damit bei der Gestaltung der Zukunft unseres Landes kein Weg an grüner Politik und grünen Ideen vorbeiführt".
Bütikofer räumte ein, die Ereignisse auf dem Grünen-Landesparteitag am Wochenende in Schwäbisch Gmünd seien "kein Schmuckstück" für die Grünen gewesen. Özdemir habe "einen Rückschlag" erlitten, jetzt gehe es aber darum, nach vorne zu blicken. Der Grünen-Parteirat habe auf seiner Sitzung am Montag einhellig begrüßt, dass Özdemir an seiner Bewerbung festhalte. Zuvor hatte auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast Özdemir aufgefordert, an seiner Kandidatur für die Parteispitze festzuhalten. Sie sagte der "Berliner Zeitung", sie glaube nicht, dass Özdemir durch die Niederlage bei der Listenaufstellung als Parteivorsitzender geschwächt wäre.




