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Eltern lehnen Ethik als Pflichtfach ab. Die ersten Anträge auf Befreiung vom Unterricht sind bereits gestellt

21.07.2006: Berliner Morgenpost

Von Regina Köhler

21 Berliner Schüler, vertreten durch ihre Eltern, haben gestern bei der Senatsbildungsverwaltung einen Antrag auf Befreiung vom Pflichtfach Ethik gestellt. Das Fach soll vom kommenden Schuljahr an verpflichtend in den siebten Klassen eingeführt werden. Click here to find out more!

"Den Eltern bleibt keine andere Möglichkeit, nachdem ihre Klage gegen die Einführung des Pflichtfaches vor dem Bundesverfassungsgericht vor zwei Tagen zurückgewiesen worden ist", sagte Rechtsanwalt Hasso von Wedel, der die Familien vertritt. Der Rechtsweg sei nicht ausgeschöpft, lautete die Begründung der Karlsruher Richter. Von Wedel geht nun davon aus, daß die Bildungsverwaltung die Anträge auf Befreiung vom Ethikunterricht ablehnen wird. "Dann werden wir vor dem Verwaltungsgericht klagen." Es könne allerdings Jahre dauern, bis ein entsprechendes Urteil gefällt wird, so Hasso von Wedel.

"Ich bin überzeugt davon, daß sehr viel mehr Eltern demnächst bei der Bildungsverwaltung die Befreiung ihrer Kinder vom Ethikunterricht beantragen werden", betonte André Schindler, Vorsitzender des Landeselternausschusses. Der Widerstand der Eltern werde zunehmen, zumal etwa zwei Drittel von ihnen seiner Einschätzung nach die verpflichtende Einführung des Ethikfaches kategorisch ablehnen. Der Landeselternausschuß werde die Eltern dabei unterstützen. "Es ist das erste Mal, daß wir uns dafür aussprechen, nicht am Unterricht teilzunehmen", sagte Schindler.

Der Landeselternausschuß plädiert indes dafür, daß jede Schule selbst entscheiden soll, ob sie das Fach Ethik einführt oder nicht. "Diese Entscheidung muß die Schulkonferenz mit den Stimmen von Eltern, Lehrern und Schülern fällen", betonte Schindler.

Auch Mieke Senftleben, schulpolitische Sprecherin der FDP, geht davon aus, daß mit Schuljahresbeginn viele Eltern ihre Kinder vom Ethikunterricht abmelden werden, weil sie am Religionsunterricht teilnehmen. "Ich habe Verständnis für diesen Weg", sagte die Schulexpertin. Auf diese Weise würden die Eltern eine Entscheidung herbeiführen wollen. Der Senatsverwaltung für Bildung liege bisher kein Antrag auf Befreiung vom Fach Ethik vor, betonte indes Kenneth Frisse, Sprecher von Bildungssenator Klaus Böger (SPD).

Das Schulfach Ethik tangiere die Glaubens- und Religionsfreiheit nicht, denn Grundlage von Ethik seien die Grundwerte der Verfassung. "Wir sehen daher keinen Anlaß, sich auf § 46 (5) des Schulgesetzes zu berufen und Befreiung vom Fach zu beantragen", sagte Frisse.

"Wir sind dafür, daß alle Schüler gemeinsam lernen und sich im Unterricht über verschiedene Religionen austauschen können", betonte auch Özcan Mutlu, Schulexperte der Grünen. Ein verpflichtendes Unterrichtsfach Ethik sei daher unbedingt zu befürworten, Abmeldemöglichkeiten nicht.

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