Böger schickt Lehrer zur Nachhilfe. Schlechte Mathematik-Ergebnisse beim Mittleren Schulabschluß
25.07.2006: Berliner Morgenpost
Von Florentine Anders und Regina Köhler Bild aus der Morgenpost
Die Ergebnisse des zentralen Mittleren Schulabschlusses (MSA) sind alles andere als erfreulich. Das ist die einhellige Meinung der Bildungspolitiker in den Oppositionsparteien. Sie bemängeln vor allem das schlechte Abschneiden der Schüler in Mathematik sowie die Tatsache, daß von den Jugendlichen türkischer Herkunft jeder Dritte gescheitert ist.
Insgesamt haben, wie Schulsenator Klaus Böger (SPD) gestern bekannt gab, 82 Prozent der Beteiligten den Mittleren Schulabschluß bestanden. Von den teilnehmenden Hauptschülern schaffte jedoch nicht einmal jeder Zweite den neuen Abschluß. Bei den Gesamtschülern lag die Erfolgsquote bei 70 Prozent, bei den Realschülern bei 81. Am besten schnitten die Gymnasiasten ab (96 Prozent). Click here to find out more!
Das schlechteste Ergebnis wurde über alle Schulformen hinweg in Mathematik registriert. Mehr als 200 Jugendliche haben allein wegen einer Sechs in Mathe die Prüfung nicht bestanden.
"Mathematik ist ein Problem", räumt Schulsenator Böger ein. Etliche Lehrer würden vor allem Textaufgaben nicht verständlich genug besprechen und sich nicht ausreichend vergewissern, was Schüler tatsächlich können, sagt Landesschulrat Hansjürgen Pokall. Lehreinrichtungen, die in Mathematik besonders schlecht abgeschnitten haben, werden künftig verpflichtet, Mathe-Lehrer zu Fortbildungskursen zu schicken, so das Fazit der Bildungsverwaltung.
"Die Schüler müssen den falsch angelegten Mathematikunterricht ausbaden", sagt Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen. Dabei seien die Leistungsschwächen der Jahrgangsstufe 10 seit Pisa 2000 hinlänglich bekannt.
"Die Bemühungen seit Pisa haben in den Oberstufen offenbar nicht gegriffen", kritisiert auch FDP-Schulexpertin Mieke Senftleben. Obwohl bereits vor fünf Jahren das mangelhafte Verständnis der Schüler bei den Textaufgaben erkannt worden sei, hätten sich die Methoden offenbar nicht geändert. Angesichts des schlechten Abschneidens der Schüler türkischer Herkunft müsse auch die Effektivität der Stunden für Deutsch als Zweitsprache auf den Prüfstand.
Deutsch müsse bereits vor Schuleintritt erlernt werden, fordert Katrin Schultze-Berndt, Bildungsexpertin der CDU. In dem schlechten Abschneiden der Gesamtschulen im Vergleich zu den anderen Schularten sieht die Politikerin den Beweis dafür, daß die von SPD und PDS angestrebte Einheitsschule der Holzweg sei. In der Gesamtschule liegt die Durchfallquote bei 30 Prozent.
Das sieht Norbert Gundacker, Hauptschulreferent von der Lehrergewerkschaft GEW, ganz anders. Man müsse bedenken, daß zwei Drittel der Gesamtschüler an Hauptschulen lernen, argumentiert er. Für letztere sei der Mittlere Schulabschluß eine besondere Leistung. Daß 42 Prozent der Hauptschüler den MSA bestanden haben, sei für ihn ein erstaunliches Ergebnis, sagt Gundacker, Lehrer an der Werner-Stepahn-Hauptschule.
André Schindler, Vorsitzender des Landeselternausschusses, fordert indes eine gründliche Ursachenforschung bezüglich des schlechten Abschneidens in Mathematik.
Aus der Berliner Morgenpost vom 25. Juli 2006




