Pisa-Studie: Brandenburger Schüler besser als Berliner
19.11.2008: Berliner Morgenpost
Von Florentine Anders
Die ostdeutschen Bundesländer sind die Gewinner der Pisa-Bildungsstudie, die gestern vorgestellt wurde. Nicht mehr Bayern, sondern Sachsen ist nun Spitzenreiter in der Rangliste der Länder. Berlin ist von seinem Nachbarland Brandenburg unterdessen abgehängt worden.
Die Brandenburger Schüler verzeichnen im Vergleich zur Pisa-Studie 2003 die höchsten Leistungszuwächse von allen Bundesländern, während Berlin im unteren Mittelfeld stagniert. In Mathematik belegt Brandenburg den sechsten Platz von insgesamt 16 Bundesländern, Berlin den zwölften. In den Naturwissenschaften haben sich die Berliner Schüler um einen Platz verschlechtert und stehen nun an elfter Stelle. Brandenburg ist in dieser Disziplin auf einen überdurchschnittlichen achten Platz gekommen. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) führt die unterschiedliche Entwicklung von Berlin und Brandenburg vor allem auf den hohen Anteil der Migrantenkinder unter den Berliner Schülern zurück. "Es fehlt die starke Mitte", sagte Zöllner zum Leistungsniveau an den Schulen.
Laut Pisa-Studie ist die Spannbreite der Leistungen in Berlin extrem groß. So erreichen 20 bis 25 Prozent der Schüler nur die geringste oder gar keine Kompetenzstufe. Gleichzeitig hat Berlin nach Bayern den zweitgrößten Anteil von Schülern mit der höchsten Kompetenzstufe.
Zöllner sieht in den Ergebnissen eine Bestätigung für die beabsichtigte Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen. Die ostdeutschen Länder haben die Hauptschule bereits abgeschafft. Die größte Herausforderung bleibe die Förderung der bildungsbenachteiligten Kinder, so Zöllner. Scharfe Kritik an der rot-roten Bildungspolitik äußerten gestern die Oppositionsparteien. Der FDP-Landesvorsitzende Markus Löning warf dem Senat Versagen vor und sagte, die Berliner Schulpolitik sei zutiefst unsozial.
Niemand könne zusehen, "wie Generationen von Kindern und Schülern, egal welcher Herkunft, systematisch zu Verlierern gemacht werden", sagte Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen.




