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Manche Lehrer arbeiten zu wenig

22.11.2008: Berliner Zeitung

Bürokratie behindert Flexibilität in Schulen. Rechnungshof sieht 24 Millionen Euro Schaden

Dem Land Berlin entsteht ein jährlicher Schaden von 24 Millionen Euro, weil nicht alle verbeamteten Lehrer tatsächlich so viel unterrichten, wie sie eigentlich müssten. Das stellt der Landesrechnungshof in seinem aktuellen Bericht fest. Besonders häufig handelt es sich dabei offenbar um Lehrer, die Erdkunde, Sport, Kunst und andere Nebenfächer an Gymnasien unterrichten. Lehrer, die eine volle Stelle haben, müssen laut Gesetz auf 26 wöchentliche Unterrichtsstunden kommen - doch einige arbeiten weniger.

Das Paradoxe an dieser Situation: Diese Lehrer können nicht einmal dazu verpflichtet werden, die nicht geleisteten Unterrichtsstunden im Folgemonat oder später nachzuholen - etwa als Vertretungslehrer. "Aufgrund derzeit geltender rechtlicher Regelungen ,verfallen' nicht geleistete Soll-Pflichtstunden am Monatsende und lassen sich nicht auf den nächsten Monat übertragen", heißt es in einer Antwort von Bildungsstaatssekretär Eckart R. Schlemm auf eine parlamentarische Anfrage der FDP-Abgeordneten Mieke Senftleben.

Die FDP-Politikerin hält das für ein Unding. "Es ist schlicht nicht nachvollziehbar, wieso Pädagogen für weniger Arbeit das gleiche Geld bekommen wie ihre Kollegen", sagte Mieke Senftleben am Freitag der Berliner Zeitung. Weiter räumt die Bildungsverwaltung nun ein, dass sie überhaupt keine Übersicht hat, wie viele Pflichtstunden tatsächlich gar nicht unterrichtet werden. "Die Erfassung erfolgt ausschließlich an den Schulen", teilte Staatssekretär Schlemm mit. Eine zentrale Auswertung nach Regionen oder Schularten sei deshalb nicht möglich. Dadurch erfährt die Schulaufsicht derzeit oft gar nicht, ob bestimmte Lehrer womöglich einige ihrer Pflichtstunden an einer benachbarten Schule unterrichten könnten. Rein rechtlich sei der Einsatz an einer Nachbarschule möglich, sagte Senftleben.

"Für mich ist es ein Skandal, dass die Bildungsverwaltung diese Zustände seit Jahren hinnimmt", sagte Grünen-Bildungspolitiker Özcan Mutlu, der nun ebenfalls von der Bildungsverwaltung eine Antwort in dieser Angelegenheit bekam. Darin kündigt Staatssekretär Schlemm an, dass seine Verwaltung derzeit ein IT-gestütztes Verfahren zur Erfassung von Mehr- und Minderarbeit entwickelt. Tatsächlich gibt es auch sehr viele Lehrer, die monatlich mehr unterrichten, als sie müssten. "Da ist es nun wirklich ungerecht, wenn andere Lehrer weniger arbeiten", sagte Mutlu. Er fordert von der Bildungsverwaltung neue Arbeitszeitmodelle für alle Lehrer. Dann solle auch berücksichtigt werden, wenn Lehrer viel vorbereiten und Klausuren korrigieren müssten.

Flexiblere Lehrerarbeitszeit

Die Bildungsverwaltung prüft derzeit neue Arbeitszeitmodelle, bei denen nicht geleistete Unterrichtsstunden innerhalb eines Schuljahres nachgeholt werden müssen. Insgesamt gehe es darum, die "individuellen Erfordernisse der Einzelschule und deren Lehrkräfte besser zu berücksichtigen", erläuterte der Staatssekretär. Deshalb wolle man die Lehrerarbeitszeit insgesamt neu regeln. "Der genaue Zeitpunkt kann noch nicht genannt werden", so Schlemm. Ein ähnlicher Vorstoß war bereits im Frühjahr am Widerstand von Schulen und Bildungsgewerkschaft GEW gescheitert.

Prüfbericht

Untersuchung: Der Landesrechnungshof hatte die Organisation an mehreren Schulen untersucht. An einer nicht näher genannten Schule wurden dabei 1 172 Pflichtstunden von den jeweiligen Lehrern gar nicht gehalten.

Schaden: Diese Summe entspricht mehr als einer vollen Lehrerstelle. "Oder 45 000 Euro, die für Unterrichtszwecke genutzt werden könnten", wie die Prüfer schreiben.

Erfassung: In diesem Fall konnten die Rechnungsprüfer die Nicht-Arbeit von Lehrern gut feststellen, da die Schule darüber Buch geführt hatte. In anderen Schulen geschieht dies nicht unbedingt so akribisch. Die Prüfer ermittelten in einer Hochrechnung 24 Millionen Euro Schaden für ganz Berlin.

www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2008/1122/berlin/0047/index.html

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