Deutsche Grundschüler lesen und rechnen gut
09.12.2008: welt
In den untersten Klassen schneiden deutsche Schüler bei zwei aktuellen Bildungsstudien gut ab. Was das Lesen angeht, sind Grundschüler in Thüringen und Bayern sogar auf internationalem Spitzenniveau. Auch beim Rechnen sieht es gar nicht schlecht aus. Migrantenkinder haben allerdings oft Probleme.
Das deutsche Bildungssystem wurde in den letzten Jahren mit Negativschlagzeilen überschüttet. Dabei lassen viele Reformen und längst zu verzeichnende Fortschritte auf bessere Zeiten hoffen. Die Grundschulen etwa erweisen sich hierzulande als gute Basis für das weiterführende Schulsystem. Der in Berlin vorgestellten Iglu-Studie zufolge erreichen die Viertklässler in fast allen Bundesländern beim Lesen Ergebnisse, die über dem Durchschnitt der Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der EU-Staaten liegen. Ferner wurde die internationale Bildungsstudie Timss veröffentlicht, die die mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenz von Schülern am Ende der vierten Klasse testet. Auch hier sind die Resultate der deutschen Schüler relativ gut.
"Insgesamt hat Deutschland erfreulich gut abgeschnitten", sagte der deutsche Bildungsforscher Wilfried Bos. An der Iglu-Studie beteiligten sich insgesamt 35 Staaten und zehn Regionen. Außer den Stadtstaaten Hamburg und Berlin erreichen alle anderen Bundesländer Ergebnisse oberhalb des Mittelwerts der OECD und der EU. Die Grundschüler in Thüringen und Bayern weisen sogar absolutes internationales Spitzenniveau auf. Mit etwas Abstand folgt Sachsen (siehe Tabelle). Diese Bundesländer liegen auch bei der Pisa-Studie, die die Leistungen von 15-Jährigen untersucht, im nationalen wie internationalen Vergleich deutlich vorne.
Alle diese Untersuchungen belegen, dass in Deutschland sozial schwache und Ausländerkinder große Schwierigkeiten in der Schule haben. Überhaupt verschärfen sich die Probleme der lernschwachen Schüler im Verlauf ihrer Schullaufbahn - gerade in Haupt- und Gesamtschulen gibt es ungemein viele Kinder, die nicht einmal über grundlegende Kompetenzen im Lesen, Rechnen und in den Naturwissenschaften verfügen. In der Grundschule erreicht diese Problemgruppe laut der neuen Iglu-Studie eine Größenordnung zwischen rund sieben Prozent (Thüringen) und mehr als 20 Prozent in den Stadtstaaten.
In Bremen (5,5 Prozent) findet sich der geringste Anteil an Schülern, die der höchsten Kompetenzstufe angehören. In Bayern (15,3) und Thüringen (14,9) ist die Zahl dieser Schüler fast drei Mal so groß. Die Iglu-Forscher sehen bundesweiten Verbesserungsbedarf: "Hier werden Potenziale verschenkt", sagte Bos.
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