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Leukämiekranke junge Mutter braucht dringend Stammzellen

17.12.2008: welt

Nur "genetischer Zwilling" kann ihr Leben retten

Emel ist verzweifelt. Seit einem Monat liegt die 27-Jährige aus Kreuzberg auf der Krebsstation des Vivantes-Klinikums Am Urban. Emel hat Leukämie. Wenn die junge Mutter nicht bald einen geeigneten Spender findet, der ihr gesunde Stammzellen geben kann, muss sie sterben. "Wir suchen einen genetischen Zwilling von Emel - die Merkmale des Spenders müssen fast vollständig zu ihr passen", sagt der behandelnde Arzt, Jörg Beyer.

Vor einem Jahr war Emel zu ihrem Hausarzt gegangen, klagte über Müdigkeit und unerklärliche Hautausschläge "Dass es Blutkrebs sein könnte, dachte keiner", sagt Emels älterer Bruder Öner.

Nach der erschreckenden Diagnose bekam Emel sofort eine Chemotherapie. Danach ging es ihr wieder gut, sie konnte in Urlaub fahren und Verwandte in Zentralanatolien besuchen. Vor einem Monat dann der Schock: Emel hatte wieder Metastasen im Blut.

"Wir hatten das schon befürchtet. Etwa 70 von 100 erwachsenen Leukämiepatienten erleiden einen Rückfall", sagt Beyer. Die zweite Erkrankung ist aggressiver als die erste und sie kann nicht durch eine Chemotherapie geheilt werden, Emel braucht frische Stammzellen. "Wir versuchen derzeit ihren Zustand stabil zu halten, bis sich ein Spender findet", sagt der behandelnde Arzt.

Doch einen geeigneten Menschen zu finden ist schwierig, die Chancen stehen eins zu mehreren Millionen. Obwohl weltweit etwa zwölf Millionen Menschen als Spender gemeldet sind, ist keiner dabei, der Emel retten könnte. "Die Merkmale von Emel unterscheiden sich wegen ihrer türkischen Wurzeln von denen westeuropäischer Spender. Jetzt sind vor allem ihre Landsleute gefragt", sagt Beyer.

Deshalb hat das Vivantes-Klinikum Am Urban zusammen mit der Deutschen Knochenmarksspenderdatei eine Typisierungsaktion organisiert. Jedem Freiwilligen wird eine kleine Menge Blut abgenommen. "Sollte sich ein Spender dabei sein, wird er untersucht, bevor ihm weiteres Blut abgenommen wird", erklärt Beyer. Die Spende dauert zwei bis drei Stunden, danach kann der Lebensretter sofort wieder nach Hause gehen.

Die Aktion wird vom Bundesvorsitzenden der Grünen, Cem Özdemir, und dem Berliner Grünen-Abgeordneten Özcan Mutlu unterstützt. "Ich möchte Menschen mit türkischem Migrationshintergrund sensibilisieren und hoffe auf viele Knochenmarkspender aus diesem Kreis", sagt Mutlu. Leukämie könne jeden treffen.

Die Freiwilligen, die sich morgen registrieren lassen, könnten nicht nur Emels Leben retten, sondern auch das vieler anderer. "Wir würden uns auch freuen, wenn wir mit dieser Aktion anderen Krebskranken helfen können", sagt Öner. Bis sich ein geeigneter Spender findet kämpft seine Schwester Emel . "Vor allem für ihren Sohn Samet, der seine Mama sehr vermisst", sagt Öner. Schlimm ist die Situation auch für den 28 Jahre alten Ehemann Ibrahim, der Emel täglich nach der Arbeit im Krankenhaus besucht und sie unterstützt, wo er kann.

Die Typisierungsaktion für Emel findet an diesem Freitag, 19. Dezember, zwischen 10 und 16 Uhr im Glaspavillon der Technischen Universität Berlin Straße des 17. Juni 144 in Charlottenburg statt. Daran teilnehmen kann jeder Erwachsene zwischen 18 und 55 Jahren.

www.welt.de/welt_print/article2895705/Leukaemiekranke-junge-Mutter-braucht-dringend-Stammzellen.html

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