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Nur wer gute Zensuren hat, soll aufs Gymnasium dürfen

20.05.2009: Berliner Zeitung

Oberstudiendirektoren für striktes Notenkriterium

Von Martin Klesmann

Sollte die Bildungsverwaltung den Zugang zum Gymnasium künftig strikt an die Grundschulnoten koppeln, warnen Schulleiter vor einem "Gymnasiensterben" in Berlin. "Wenn für meine Schule künftig ein strikter Notendurchschnitt von mindestens 2,2 gilt, dann habe ich hier statt drei Klassen nur noch eine", sagt Rainer Völkel, Schulleiter des Kreuzberger Robert-Koch-Gymnasiums. "Dann kann meine Schule kein Gymnasium mehr sein, sondern muss Sekundarschule werden." Zwei Drittel seiner Schülerschaft setze sich aus Realschulempfohlenen zusammen. Gerade Migrantenkinder würden dann nicht mehr ans Gymnasium kommen, sagt Völkel.

"Die Zugangskriterien für Gymnasien können doch nicht die problematische stadträumliche Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte auffangen", sagt hingegen Ralf Treptow, Schulleiter des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums. Treptow ist auch Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren. Und diese Schulleitungsvereinigung hat nun einen Plan für den künftigen Zugang zum Gymnasium gefasst. Demnach soll ein Notendurchschnitt von mindestens 2,18 in Mathe, Deutsch, Englisch und Naturwissenschaften das zentrale Zugangskriterium sein. Grundlage für diese Zulassung sollen beide Zeugnisse der Klasse 5 und, doppelt gerechnet, das Halbjahreszeugnis der Klasse 6 sein. Bei Kindern mit einem Notendurchschnitt von bis zu 2,5 soll die Grundschule unter Einbeziehung weiterer Kompetenzen entscheiden dürfen, ob das Kind eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommt. Gibt es mehr Anmeldungen als Plätze, hätten Schüler mit einem Durchschnitt von mindestens 2,18 Vorrang.

Michael Wüstenberg, Leiter des Weddinger Lessing-Gymnasiums, hält das für kontraproduktiv. "Unsere Schüler brauchen eher eine vernünftige Ganztagsbetreuung." Auch Grünen-Bildungspolitiker Özcan Mutlu ist gegen zu strikte Aufnahmekriterien. "Dann fallen Schüler aus sozial schwachen Familien und Migranten durch." Er plädiert dafür, Beratungsgespräche mit der abgebenden und der aufnehmenden Schule für Eltern zur Pflicht zu machen. Außer Noten sollen Talente und Kompetenzen der Schüler Grundlage einer Entscheidung sein. Das Elternwahlrecht soll gelten. Dem Vernehmen nach gehen die aktuellen Pläne von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) auch in diese Richtung. FDP-Politikerin Mieke Senftleben plädiert für ein Probejahr, Beratung, Schulleiterentscheidung und die Beibehaltung des bisherigen Notendurchschnittes von 2,2 bis zu 2,7

www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0520/berlin/0048/index.html

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