Böger kündigt Schließung von Schülerclubs an
26.01.2004: Mindestens zehn der Einrichtungen, die Jugendliche vor Gewalt schützen, stehen vor dem Aus - Mehr Clubs an Grundschulen
Berliner Morgenpost - von Florentine Anders
Schülerclubs sind häufig die einzige Anlaufstelle für Jugendliche bei Gewalt, Mobbing und Stress mit Eltern oder Lehrern. Doch obwohl diese Einrichtungen erst vor zehn Jahren von Freien Trägern zur Gewaltprävention aufgebaut worden waren, sollen sie jetzt schon wieder abgeschafft werden.
Berlins Schulsenator Klaus Böger (SPD) bestätigte im Jugendausschuss, dass zumindest zehn der insgesamt 20 Clubs an den erweiterten Schulen geschlossen werden sollen. Darüber hinaus werde von einem unabhängigen Träger überprüft, was diese Einrichtungen tatsächlich bewirken würden.
Im Gegenzug sollen mehr Schülerclubs an Grundschulen eingerichtet werden, um hier die Zehn- bis Zwölfjährigen, die keinen Anspruch mehr auf einen Hortplatz haben, besser betreuen zu können.
Bisher werden die Schülerclubs aus Lottomitteln finanziert, die die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung verwaltet. Die Stiftung hat den Trägern mitgeteilt, dass sogar alle 20 Einrichtungen gefährdet seien. Der Grund: Im Lottotopf für Jugendarbeit hat sich ein Loch von 2,7 Millionen Euro aufgetan, weil die Berliner in den vergangenen Monaten weniger Lotto gespielt haben. Der Fehlbetrag muss nun eingespart oder vom Land aufgebracht werden. Nicht betroffen wären die Grundschulen. Dort könnten für die Ganztagesbetreuung nämlich Bundesmittel eingesetzt werden.
"Es zeugt von Verantwortungslosigkeit, die Schülerclubs abzuschaffen, gerade jetzt, da die Zahl der Gewalttaten an Schulen drastisch steigt", sagt Konrad Koschek, Sprecher der Jugendhilfe vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Dem Bericht der Landeskommission gegen Gewalt zufolge sind die schwer wiegenden Zwischenfälle an Schulen im vergangenen Schuljahr um 66 Prozent angestiegen.
Auch die Grünen wehren sich gegen die Schließungen: "Die Schließung der Schülerclubs steht im völligen Widerspruch zu dem gerade gestarteten Reformprozess der Schulverwaltung", kritisiert der schulpolitische Sprecher der Grünen, Özcan Mutlu, die vorgestellten Einspar-Pläne. flo




