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Berliner Schule wirbt Schüler mit Deutsch-Klasse

15.10.2009: Tagesspiegel

In einer Berliner Grundschul-Klasse wird nun nur noch Deutsch gesprochen. Die Schüler der Klasse in Wedding müssen nicht Deutsche sein, aber eben Deutsch sprechen. Das soll die Zahl der Schüler aus Alt-Mitte erhöhen. Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) übt bereits Kritik. Doch es gibt auch schon erste Nachahmer.

Als erste Schule in Berlin wird die Gustav-Falke-Grundschule zum kommenden Schuljahr eine Klasse ausschließlich für Kinder mit sehr guten Deutschkenntnissen einrichten und Eltern damit eine "Deutsch-Garantie" geben. Am Mittwoch stellte die Schule aus Wedding das Projekt öffentlich vor und sorgte damit stadtweit für Aufsehen.

Unterstützt wird das Vorhaben von der Senatsbildungsverwaltung. "Wir begrüßen jede Initiative für eine größere Heterogenität an den Schulen", sagte Erhard Laube, Chef der Berliner Schulaufsicht. Es sei nicht nur im Interesse deutscher, sondern auch der Eltern mit Migrationshintergrund, die Klassen mehr zu durchmischen und damit die Integration zu erleichtern. Seine Verwaltung werde das Projekt konzeptionell begleiten. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) begrüßte die "zukunftsweisende Initiative" ebenso wie Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen. Auch die bildungspolitischen Sprecher von FDP und CDU halten das Modell für nachahmenswert.

Problematisch dagegen findet Heinz Buschkowsky (SPD), Bezirksbürgermeister von Neukölln, das Vorhaben. Eine Sonderklasse für deutschsprachige Schüler sei ein "Doktern am Symptom, aber keine Lösung des Problems", sagte er. Es bestehe zudem die Gefahr, dass bereits unter Grundschulkindern eine Auslese stattfinde. Buschkowsky fordert stattdessen mehr Ganztagsschulen.

Wedding und Alt-Mitte trennen Welten Die Bernauer Straße trennt Alt-Mitte von Wedding und damit zwei Welten. Südlich der sozialen Grenzlinie drehen sich die Kräne für Öko-Lofts, reiht sich eine Kunstgalerie an die andere, sitzen bildungsbewusste Eltern mit ihrem Nachwuchs bei Latte macchiato in den Schaufenstern kleiner Cafés. Nördlich davon gibt es Frühstück für 99Cent, Aldi, grafittibeschmierte Läden, HartzIV und Migranten.

Nördlich der Bernauer Straße liegt auch die Gustav-Falke-Schule. In der Grundschule gibt es in manchen Klassen kein einziges deutsches Kind mehr. Kein Wunder, dass die Eltern auf der südlichen Seite der Straße die Schule gar nicht erst für ihren Nachwuchs in Betracht ziehen. "Ich schicke mein Kind doch nicht auf so eine Problemschule mit so vielen Ausländern", bekam Schulleiterin Karin Müller immer wieder zu hören und ergriff die Initiative. Sie ging einfach auf die andere Seite zu den Eltern nach Alt-Mitte und stellte sie in einer Kiezrunde zur Rede. "Was wollt ihr? Wie soll die Schule für eure Kinder aussehen?", fragte sie die Eltern. Die hatten ihre konkreten Forderungen: mindestens 50 Prozent Kinder deutscher Herkunft, von Anfang an Englisch und Naturwissenschaften.

www.morgenpost.de/berlin/article1190171/Berliner-Schule-wirbt-Schueler-mit-Deutsch-Klasse.html

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