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"Das Geheimnis ist Qualität"

15.10.2009: Berliner Zeitung

Herr Mutlu, die Gustav-Falke-Grundschule hat sich Lockangebote ausgedacht, um die deutsche Mittelschicht nach Wedding zu bekommen. Was halten Sie von Modellklassen, in denen nur Kinder mit guten Deutschkenntnissen aufgenommen werden?

Ich begrüße das. Ich finde es gut, wenn sich Schulen für bessere Bildung engagieren und sich Gedanken über ihren Kiez machen und die soziale Mischung verbessern wollen.

Aber der Preis ist doch die Ausgrenzung von Kindern, die nicht so gut Deutsch sprechen.

Einerseits ja. Andererseits muss sich die Schule etwas überlegen, wenn sie nicht untergehen will. Manche Eltern verlassen ja den Bezirk, weil sie denken, woanders bekommen ihre Kinder eine bessere Bildung. Die Schule muss also ein Konzept entwickeln, mit dem sie bildungsbewusste Eltern halten kann. Wichtig ist, dass überhaupt deutsche Kinder in der Schule sind, auch wenn sie in Modellklassen sind. Davon profitieren alle.

Aber noch mal - kleine Lerngruppen, Englisch ab der ersten Klasse, naturwissenschaftliche Sonderprojekte - das alles ist doch eine glasklare Elitenförderung, die hier betrieben wird.

Das sehe ich nicht so. Ich finde es gut, wenn Schulen unterschiedliche Modellklassen anbieten. Es würde jeder Schule gut tun, wenn sie Schwerpunkte setzte, zum Beispiel auf Sprache und Naturwissenschaften.

Das Konzept wäre also auch eine gute Idee für andere Schulen in Wedding, Moabit, Neukölln oder Kreuzberg?

Ja, das hat Modellcharakter für andere Bezirke. Die deutschen Kinder sind ja da. In keinem Stadtteil liegt der Anteil der Migranten über 50 Prozent. Das Problem ist doch, dass bildungsbewusste Eltern Stadtteile mit vielen Einwandererfamilien verlassen, wenn ihre Kinder ins schulpflichtige Alter kommen. Die Schulen müssen daher ihre Profile schärfen, damit sie attraktiv genug sind.

Der Migrantenanteil ist also nicht das Problem?

Nicht unbedingt, es gibt genug Beispiele, wo Schulen es geschafft haben. Die Spreewaldgrundschule in Schöneberg ist so eins. Dort wurden Theaterklassen eingerichtet und deutsche Eltern sind gekommen und haben ihre Kinder angemeldet. Die Zille-Schule im tiefsten Kreuzberg kann sich vor Anfragen nicht retten. Das Geheimnis ist Qualität, gute Bildung und ein engagiertes Kollegium sowie aktive Eltern. Jede Schule kann sich auf den Weg machen und sich über Kooperationen im Stadtteil helfen.

Das klingt, ob es nur an der Schule liegt .

. na ja, man darf sie nicht allein lassen. Sie müssen genug Personal und Geld erhalten, um die Defizite anzugehen. In Wedding braucht man eben mehr Unterstützung als in Zehlendorf.

Das Gespräch führte Julia Haak.

www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/1015/berlin/0059/index.html

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