Protest gegen Kürzung bei Wissenschaften in der Schule
23.10.2009: Berliner Morgenpost
Experten und Politiker protestieren gegen die Pläne der Senatsbildungsverwaltung, das naturwissenschaftliche Angebot an der neuen Sekundarschule künftig um zwei Stunden zu kürzen. "Das geht absolut in die falsche Richtung", sagt Bernd Meißner, Physiker und Manager am Helmholtz-Zentrum Berlin.
Die Politik setze auf Innovationen, also Neuerungen, wissenschaftliche Erkenntnisse, da müsse man bei den Jüngsten beginnen. Es sei wichtig, die Schulen besser auszurüsten, gerade im wissenschaftlichen Bereich. Reinhard Pastille, Privatdozent für Chemiedidaktik an der Freien Universität, hält es für "besonders prekär", an den Naturwissenschaften zu kürzen. "Es geht in diesen Fachstunden um die Umwelt und um die Ressourcen dieser Gesellschaft", sagt er. Statt Stunden zu kürzen, sollte eher konzeptionell etwas geändert werden. So könnte es zum Beispiel für Schüler mit Sprachdefiziten mehr verpflichtende Angebote geben, die Sprache und Naturwissenschaften vereinen. Auch Özcan Mutlu findet es nicht ratsam, in diesem Bereich zu kürzen. "Es gibt mehrere wissenschaftliche Studien, die gezeigt haben, wie notwendig das Fach Naturwissenschaften ist", sagt der Bildungsexperte der Grünen.
Trotz der Proteste von Lehrern und Wissenschaftlern hält die Senatsbildungsverwaltung an der Stundenkürzung fest. Es sei nur möglich, am naturwissenschaftlichen Unterricht zu sparen, weil die Stunden für Deutsch, Mathematik und die erste Fremdsprache unverändert bleiben müssten, verteidigte Sprecher Martin Sand gestern den Entwurf. Hintergrund sind die Vergleichsarbeiten, die alle Schüler am Ende der 10. Klasse in diesen drei Fächern schreiben müssten. Um allen die gleichen Chancen einzuräumen, müssten Gymnasiasten und Schüler der Sekundarschule die gleiche Stundenanzahl in diesen Fächern haben, sagt Sand.kla




