Fusion: Schulen streiten über ihre Chefs
10.02.2010: Berliner Morgenpost
An den Kreuzberger Hauptschulen Eberhard Klein und Carl Friedrich Zelter herrscht in diesen Tagen denkbar schlechte Stimmung. Seit Monaten steht fest, dass beide Schulen mit dem kommenden Schuljahr zu einer Sekundarschule fusionieren sollen. Wer die Leitung übernehmen wird, ist jedoch noch immer ungewiss.
Die Bildungsverwaltung hatte Anfang Januar den Schulleiter der Zelter-Hauptschule, Robert Hasse, für den Posten vorgeschlagen. Diese Lösung stieß beim Kollegium der Eberhard-Klein-Hauptschule auf Ablehnung. Man fühle sich überrannt, heißt es. Außerdem ging man davon aus, dass der eigene Schulleiter Bernd Böttig die neue Sekundarschule leiten werde - Böttig sei der diensterfahrenere Leiter. Die Lage ist verfahren, zwischen beiden Kollegien herrscht Funkstille.
Kompetenz zählt, nicht Besoldung Dieser Konflikt ist kein Einzelfall. Besetzungen der Bildungsverwaltung sorgen auch an anderen Schulen für Unruhe. Die Verwaltung hat festgelegt, bei Schulfusionen die Schulleiter der neuen Sekundarschulen nach Kompetenz und nicht unbedingt nach der Höhe der Besoldungsgruppe auszuwählen. Özcan Mutlu, Bildungsexperte der Grünen, hält diese Entscheidung für richtig. "Wir haben allerdings eine entsprechende Gesetzesänderung gefordert, um dieses Vorgehen rechtlich abzusichern", sagte er. Der Senat habe eine solche Gesetzesänderung aber nicht für nötig gehalten. Mutlu forderte die Bildungsverwaltung auf, den Konflikt zwischen den Kreuzberger Hauptschulen schnell beizulegen. "Die Kollegien müssen eine einvernehmliche Lösung finden", sagte er.
Auch Kreuzbergs Bildungsstadträtin Monika Hermann (Grüne) drängt auf eine schnelle Lösung. "Eltern, die ihre Kinder im März an einer weiterführenden Schule anmelden müssen, wollen nicht nur etwas über das Konzept der Schule wissen. Für sie zählt auch, wer Schulleiter ist", sagte die Stadträtin. Ihrer Meinung nach hätte im Fall der beiden Hauptschulen bereits vor einem halben Jahr festgelegt werden müssen, wer Schulleiter wird. "Nach dieser Entscheidung hätten beide Teams sofort von externen Beratern begleitet werden müssen", so Hermann. Jetzt sei viel Porzellan zerschlagen und das Vertrauen der Eltern in diese neue Schule empfindlich gestört.
Probleme in Pankow und Neukölln
Probleme gibt es auch in Neukölln. So hat das Kollegium der Thomas-Morus-Hauptschule jetzt sogar die Lehrergewerkschaft GEW um Hilfe gebeten. Die Schule soll mit der Zuckmayer-Realschule fusionieren und künftig von deren Direktor geleitet werden. Diese Entscheidung will das Kollegium der Thomas-Morus-Schule aber nicht akzeptieren. Die Kollegen setzen sich für ihren Schulleiter ein, der im Kiez sehr stark verwurzelt ist und bereits mehrere Reformen an seiner Schule umgesetzt hat.
Auch an der Reinhold-Burger-Hauptschule in Pankow ist das Kollegium in Aufruhr. Dort will die Bildungsverwaltung einen neuen Schulleiter einsetzen. Die Kollegen aber wollen ihre bisherige Leiterin behalten.
Siegfried Arnz, bei der Bildungsverwaltung für die Entwicklung der neuen Sekundarschulen verantwortlich, verweist auf den anspruchsvollen Prozess der Fusion. "Berlinweit werden aus 47 Haupt- und Realschulen 23 Sekundarschulen", sagte er. Meist gebe es bei der Besetzung der Leiterstellen Einigkeit. "Wir streben grundsätzlich eine Konsenslösung an, wobei der am besten geeignete Leiter ausgewählt werden soll", sagte Arnz. Das müsse im Einzelfall genau begründet werden. Im Fall der Eberhard-Klein- und der Zelter-Hauptschule soll es zeitnah eine Lösung geben, sagte Arnz.
Peter Sinram, Sprecher der Lehrergewerkschaft GEW, kritisierte, dass bei der Fusion von Schulen im Rahmen der Schulreform eine rechtliche Grundlage fehlt. "Die Schulen werden alleingelassen."
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