Zöllner knöpft sich die Lehrer vor
27.04.2010: Berliner Zeitung
Senator will keinen Boykott der Vergleichsarbeiten dulden Martin Klesmann Im Streit um die Vergleichsarbeiten in der dritten Grundschulklasse hat Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) die Lehrer kritisiert, die über einen Boykott der Tests nachgedacht haben. "Denen glaube ich nicht, dass es ihnen um die Qualität in der Schule geht", sagte Zöllner gestern bei der Aktuellen Stunde im Abgeordnetenhaus. Es sei doch klar, dass an den Schulen Wissen und Können vermittelt werden sollen und dass überprüft werde, ob feststehende Ziele erreicht würden.
Zöllner räumte ein, dass die sogenannten Vera-3-Tests bundesweit bei Lehrern nicht beliebt seien. Aber sie würden damit in den Bundesländern unterschiedlich umgehen. "Die Bayern wollen bei solchen Tests in die Champions League - und die Berliner sagen, solch ein Test wäre doch mal ein Anlass zu sagen, was uns nicht passt", sagte Zöllner. Er werde es "nicht tolerieren", sollte ein Lehrer den Test nicht schreiben. Tatsächlich könne es durchaus auch am einzelnen Lehrer liegen, wenn es in manchen Klassen "nicht funktioniert", so Zöllner. Mitunter liege es womöglich auch daran, dass ein Schulleiterposten lange unbesetzt blieb. Zuvor hatten 1 000 Pädagogen in einem offenen Brief die Vergleichsarbeiten kritisiert. Grundschüler in sozialen Brennpunkten würden oft die Aufgaben gar nicht verstehen.
CDU-Bildungspolitiker Sascha Steuer warf dem rot-roten Senat indes vor, sich einseitig auf Gemeinschafts- und Sekundarschulen zu konzentrieren. "Hinten runter fielen die Grundschulen", sagte Steuer. Mit dem verpflichtend eingeführten Jahrgangsübergreifenden Lernen (JüL) sei das "Kind mit dem Bade ausgeschüttet" worden: Die JüL-Pflicht müsse aufgehoben, Sprachförderklassen etabliert werden. Linke-Bildungspolitiker Steffen Zillich räumte ein, dass die Ausstattung der Grundschulen nicht so gut sei wie die der Sekundarschulen. "Da müssen wir nachziehen", sagte er. Dies gelte für die Grundschulen in sozialen Brennpunkten, für die Ganztagsbetreuung und die "Betreuungslücke" in der 5. und 6. Klasse. Aber man könne nun mal nicht alles auf einmal machen.
SPD-Politikerin Felicitas Tesch verwies darauf, dass der Senat etwa die Kita-Beitragsfreiheit oder das Bildungsprogramm samt Sprachlerntagebuch eingeführt habe, um benachteiligte Kinder zu fördern. "Kleinere Klassen allein bringen keine Verbesserungen", sagte sie und verwies auf die jüngste Studie des Erziehungswissenschaftlers Wilfried Bos. Tesch plädierte dafür, dass in der Schuleingangsphase ein Lehrer gemeinsam mit einer Erzieherin in der Klasse unterrichten sollte. FDP-Politikerin Mieke Senftleben konstatierte, dass die vielen Veränderungen in der Grundschule "nichts gebracht" hätten. Özcan Mutlu (Grüne) forderte mehr Pädagogen und die Überprüfung des Sprachförderunterrichts.
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