Opposition: Senator muss Stundenausfall bekämpfen
30.11.2006: Berlliner Morgenpost
Die Opposition hat Berlins neuen Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) aufgefordert, den Unterrichtsausfall einzudämmen.
Die Schulen brauchten nicht nur dringend Budgets, um in Krankheitsfällen schnell Vertretungskräfte engagieren zu können. "Wir müssen auch an die stillen Reserven", forderte FDP-Bildungsexpertin Mieke Senftleben. Dafür sollten die Ermäßigungsstunden im Umfang von 2700 Stellen, die Berlins Lehrer für außerunterrichtliche Tätigkeiten bekämen, auf den Prüfstand. "Wir können es uns nicht mehr leisten, beispielsweise mehr als sieben Vollzeitstellen für die Leitung der bezirklichen Schularbeitsgärten einzusetzen", monierte Senftleben.
Der Bildungsfachmann der Grünen, Özcan Mutlu, mahnte an, etwas für die Gesundheit der Lehrer zu tun, um Burn-out-Syndrome zu verhindern. Der Senat müsse die notwendigen Rahmenbedingungen für erfolgreiches Arbeiten schaffen. Unter anderem sollten Schulen in Problemgebieten gezielt gefördert und Klassen verkleinert werden. Der schulpolitische Sprecher der CDU, Sascha Steuer, sieht in dem Thema Unterrichtsausfall die erste Nagelprobe für den neuen Bildungssenator: "Anstatt 22 Millionen Euro in ein erneutes ideologisches Experiment wie die Einheitsschule zu stecken, muss endlich Pragmatismus in die rot-rote Bildungspolitik einziehen."
Eine Blitzumfrage der Lehrergewerkschaft GEW unter den Schulen hatte ergeben, dass allein in einer Woche an den Grundschulen knapp 10 000 und an den Gymnasien etwa 4500 Stunden ausgefallen waren. Bereits in den vergangenen Wochen waren Hunderte von Eltern auf die Straße gegangen, weil sie die Situation an den Schulen nicht mehr hinnehmen wollen. Auch Stefan Erlebach, dessen Sohn eine 8. Klasse des Willi-Graf-Gymnasium Lichterfelde besucht, hat leidvolle Erfahrungen mit Unterrichtsausfall. An manchen Tagen seien nur zwei von sechs Stunden erteilt worden. Was ihn besonders ärgert: "Wenn meine Kinder eine Stunde versäumen, wird eine schriftliche Entschuldigung erwartet und dass sie das Versäumte nachholen. Aber wir erfahren oft noch nicht mal den Grund für massenhaften Stundenausfall." chb




