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Deutsch: Mangelhaft

24.06.2010: Berliner Zeitung

BILDUNG - Berliner und Brandenburger Schüler schneiden beim Leistungsvergleich im Bund schlecht ab. Die politisch Verantwortlichen suchen nach Ursachen. Am Geld allein jedenfalls kann es nicht liegen. Martin Klesmann

BERLIN. Als "nicht befriedigend" bezeichnete Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) gestern die Berliner Ergebnisse im Schulleistungsvergleich der Länder. Das scheint noch eine Verniedlichung der aktuellen Situation zu sein. Denn die Berliner Neuntklässler belegen im Deutschen sowohl beim Lese- als auch beim Hörverständnis den vorletzten Platz. Nur Bremen liest und versteht schlechter. In deutscher Rechtschreibung belegen Berliner Schüler den viertletzten Platz. Im Leistungsvergleich Englisch kommt Berlin immerhin auf einen Platz im hinteren Mittelfeld.

"Wir kennen unsere Schwächen", sagte Zöllner und begründete das schlechte Abschneiden mit bekannten Faktoren: "Die Ergebnisse sind sehr stark abhängig von der sozialen Herkunft und dem Migrationsstatus der Schüler." Das heißt: Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern erfahren zu wenig Förderung. "16 Prozent des Gesamtergebnisses beim Lesen hängen von der sozialen Herkunft ab", sagte Zöllner. Hier spiele auch der hohe Migrantenanteil unter Berliner Neuntklässlern eine Rolle, der sei nämlich mit 31 Prozent bundesweit am höchsten; in Hamburg liegt er allerdings nur minimal darunter. Das sei das typische Problem der Stadtstaaten.

Im Herbst ein "Qualitätspaket"

Tatsächlich führt der Schul-Leistungsbericht aus, dass Kinder mit türkischer Muttersprache oft besonders schlecht abschneiden. Schulleiter berichten immer wieder, dass es in türkischstämmigen Familien häufig keine Vorlese-Kultur gebe. Eine besondere Problematik Berlins ist auch, dass einige wenige Schüler, etwa 10 Prozent, die bayrischen Spitzenwerte erreichen, aber besonders viele Schüler umso deutlicher dahinter zurückfallen.

Immerhin glaubt Senator Zöllner inzwischen weitere Gründe für das schlechte Abschneiden Berlins ausfindig gemacht zu haben. Deshalb kündigte er gestern an, nach den Sommerferien ein "Qualitätspaket" für Kitas und Schulen vorzustellen. "Es kann doch nicht sein, dass ein Kind drei Jahre lang die Kita besucht und immer noch kein Deutsch spricht", sagte Zöllner. So will er, dass Grundschulen künftig melden, wenn Kinder aus der Kita mit sprachlichen Defiziten an die Schulen kommen. "Es geht um eine Qualitätskontrolle, ob Lernzuwachs im sprachlichen Bereich stattfindet", sagte Zöllner. Möglicherweise müsse man die personellen Ressourcen im Vorschulbereich auch ungleicher verteilen, nämlich gezielter dorthin geben, wo intensive Sprachförderung nötig ist. Kitas mit vielen Problemkindern könnten so mehr Personal erhalten. Berlin hat schon jetzt bundesweit die höchsten Kita-Ausgaben.

Auch denkt die Bildungsverwaltung nun darüber nach, die Berichte der Schulinspektion künftig generell öffentlich zu machen. Bisher ist es den Schulen freigestellt, diese Prüfberichte ins Internet zu stellen. Zudem soll die Schulaufsicht anders organisiert werden. Es gehe darum, einzelne Schulen "gezielt personell zu unterstützen".

Opposition will neue Konzepte

Der Berliner Bildungspolitiker Sascha Steuer (CDU) kritisierte gestern, dass Berlin "trotz der Reformwut des Senats die einheitlichen Bildungsstandards nicht erreicht". Allerdings sind die nun getesteten Neuntklässler von der umfassenden Grundschulreform ab 2005 kaum tangiert worden. Dennoch signalisierte Zöllner gestern, dass er künftig etwa beim altersgemischten Lernen in der Schulanfangsphase auch "situationsadäquat" Ausnahmen ermöglichen wolle. Angesichts der Debatte um die hohe Zahl der Zweitklässler, die wiederholen, schloss Zöllner die Wiedereinführung von Vorklassen aus. Auch will er Kinder nicht wieder später als ab fünfeinhalb Jahren einschulen.

Die Berliner FDP-Schulpolitikerin Mieke Senftleben forderte gestern für die zunehmende Zahl der Migrantenkinder spezielle bildungspolitische Konzepte, insbesondere im Bereich der Sprachförderung. "Jedes Kind in Berlin muss bei Schuleintritt Deutsch sprechen und verstehen können, nur so können gleiche Aufstiegschancen garantiert werden", sagte sie.

Grünen-Politiker Özcan Mutlu gab indes zu bedenken, dass die guten Ergebnisse der Süd-Länder ein Resultat extremer Selektivität seien. Akademikerkinder haben in Bayern eine 6,5-fach höhere Chance ein Gymnasium zu besuchen als Arbeiterkinder, in Berlin ist die Chance nur 1,7-fach höher. Damit zeigt sich in Berlin laut Studie "kein signifikanter Effekt der sozialen Herkunft auf den Gymnasialbesuch".

www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0624/tagesthema/0019/index.html

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