PISA: Soziale Herkunft entscheidet weiterhin über Bildungserfolg - Kein Grund zur Entwarnung!
Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, erklärt: Die neuen PISA-Ergebnisse zeigen, dass neun Jahre nach dem ersten PISA-Desaster, immer noch die soziale Herkunft über den Bildungserfolg junger Menschen entscheidet. Schülerinnen und Schüler aus sozial schwachen Familien und im besonderen mit Migrationshintergrund haben es weiterhin extrem schwer in unserem Schulsystem. Das einigermaßen gute Abschneiden bei den Naturwissenschaften, der Mathematik und die leichte Verbesserung in der Lesekompetenz sind zwar erfreulich aber dennoch kein Grund zur Entwarnung. Angesichts der starken Spreizung zwischen den besten und den schwächsten Schülern, bleibt für das Deutsche Schulsystem noch sehr viel zu tun!
Aus der PISA-Studie werden anscheinend viel zu schleppend Konsequenzen gezogen. Der Anteil öffentlicher Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben der Bundesrepublik liegt weiterhin unter dem OECD-Durchschnitt und stagniert seit Jahren. Das deutsche Schulsystem schafft es scheinbar nicht, Leistungsstarke wie Leistungsschwache SchülerInnen gleichermaßen zu fördern.
Es ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, ALLEN Kindern dieselben Bildungschancen zu gewähren, damit sie ihre Potenziale entfalten können. Schulen in sozialbenachteiligten Gebieten oder mit hohen MigrantInnenanteil müssen personell und materiell gezielter und stärker gefördert werden. Der Ausbau von Ganztagsangeboten, die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe sowie eine Bildungs- und Sprachoffensive, insbesondere für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache bedürfen verstärkter finanzieller Förderung und Sicherung. Kooperationen zwischen Eltern und Schulen in Rahmen von verbindlichen Bildungsvereinbarungen gehören ebenfalls der Qualitätssicherung. Neun Jahre nach dem ersten PISA-Schock, gehört auch die LehrerInnenausbildung auf den Prüfstand!
Es gibt jedenfalls noch viel zu tun - das ist das Fazit aus den jüngsten Studien. Wir fordern den Senat auf, die PISA-Ergebnisse zum Anlaß zu nehmen und die Kitas und Grundschulen in Berlin personell und materiell zu stärken!




