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Misstöne wegen Picknickverbots

29.06.2004: Konzertbesucher in der Waldbühne über Einschränkungen verärgert

Von Florentine Anders

Der Kartoffelsalat gehört zu André Rieu wie der Rotwein-Kelch zu den Philharmonikern. So war es jedenfalls bisher bei den Open-Air-Konzerten in der Waldbühne am Glockenturm. Das traditionelle Picknick soll jetzt allerdings verboten sein. Entgegen allen Versprechungen des Senats wurden die Besucher des Konzerts der Philharmoniker am Sonntag bereits auf der Eintrittskarte unmissverständlich auf das Picknickverbot hingewiesen. Und auch auf der Internetseite der deutschen Entertainment AG (Deag) wird an exponierter Stelle auf die geltenden Sicherheitsbestimmungen hingewiesen: "Gemäß Hausordnung des Landes Berlin ist das Einbringen von Speisen und Getränken bis auf Kleinstgebinde, wie sie zum Beispiel für die Versorgung von Kindern gängig sind, nicht gestattet."

Viele Gäste ließen sich von ihren traditionellen Sommervergnügen abschrecken und verzichteten auf Salatschüsseln und Würstchen.

"Die meisten Besucher sind sehr einsichtig", sagt der Waldbühnen-Sprecher Frank Maas. Probleme habe es kaum gegeben, erlaubt seien Getränke in einer maximal 0,5-Liter-Pet-Flasche pro Person und ein Snack. Bei den Klassikkonzerten würden die Bestimmungen relativ kulant gehandhabt.

Die Verordnung sei aus Sicherheitsgründen unerlässlich, Glasflaschen oder Dosen könnten zu Wurfgeschossen werden und Picknickkörbe verstellten Fluchtwege. Zudem habe es immer wieder Ärger gegeben, weil mit den großen Kühltaschen oft gleich mehrere Sitzplätze blockiert wurden. "Und was mitgebracht wird, will schließlich auch ausgepackt werden", beschreibt Maas das Problem in den relativ engen Rängen.

Aus diesen Gründen hatte die Senatssportverwaltung gemeinsam mit dem zur Deag gehörenden Konzertveranstalter Concert Concept die Änderung der Hausordnung zu Beginn des Jahres beschlossen. Bereits im Februar, lange vor Beginn der Freiluftsaison, löste das Picknickverbot einen riesigen Proteststurm aus, so dass der zuständige Senator für Jugend, Bildung und Sport, Klaus Böger (SPD), schließlich versprach, die Änderung in diesem Punkt zu stoppen.

Böger gehörte am Sonntag selbst zu den 22 000 Besuchern des Philharmoniker-Konzerts und äußerte sich zufrieden über die Nachsicht, die die Einlasskontrolleure bei Imbiss und Getränken übten. "So wie am Sonntagabend stellen wir uns auch die zukünftigen Konzerte in der Waldbühne vor", sagt die Sprecherin des Senators, Rita Herrmanns. Allein das Versprechen, die Hausordnung in dieser Hinsicht wieder zu ändern, wurde noch nicht eingelöst. "Wir arbeiten noch an den Modifikationen, die Verordnung sei noch nicht fertig", räumt Frau Herrmanns ein.

Die Opposition übt herbe Kritik an der Verzögerung. "Ein Unding", findet der Grünen-Abgeordnete Öczan Mutlu den jetzigen Zustand. Auf der einen Seite würden unsinnige Gaststättenverordnungen vereinfacht und gleichzeitig überflüssige Hausordnungen eingeführt. Die Picknick-Konzerte seien immer kultiviert abgelaufen. Die Waldbühne verliere durch das Verbot an Attraktivität. Böger hätte eher gestern als morgen handeln müssen.

"Wahrscheinlich wird die Änderung fertig, wenn die Saison vorbei ist", ärgert sich auch Michael Borgis (CDU), Vorsitzender des Ausschusses für Familie, Jugend und Sport. Die Open-Air-Konzerte in der Waldbühne seien erst durch die Verbindung mit dem Picknick so berühmt geworden.

Und auch Mike Senftleben, sportpolitische Sprecherin der FDP, pocht auf den Erhalt einer Berliner Tradition, auch und gerade, wenn es eine Ausnahme ist. Am 24. Juli wird der holländische Stargeiger André Rieu seine "Musik zum Träumen" in der Waldbühne zum Besten geben - mit oder ohne Kartoffelsalat.

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