Lob und Kritik an neuer Versetzungspraxis für Oberschulen
Von Florentine Anders
Die Grünen haben mit heftigem Protest auf die neue Regelung zur Notengebung an Oberschulen reagiert. Wie berichtet, will der Bildungssenator Klaus Böger den Schulen per Rundschreiben mitteilen, dass ab diesem Schuljahr die Leistungen aus dem gesamten Schuljahr Einfluss auf das Versetzungszeugnis haben. Bisher wurden nur die Zensuren aus dem zweiten Halbjahr gezählt. Zudem sollen für das Probehalbjahr künftig die ganz normalen Versetzungsregeln gelten, auf dem Zeugnis dürfen also maximal zwei Fünfen stehen.
"Es ist unbegreiflich, wie der Senator die Selektionsmechanismen verschärfen kann, während Pisa gerade den entgegengesetzten Weg gewiesen hat", sagt der schulpolitische Sprecher der Grünen, Öczan Mutlu. Anstelle der Auslese müssten Förderinstrumente treten, fordert der Grünen-Politiker. Die Versetzungskriterien zu verschärfen, sei ein mittelalterlicher Weg, der sich als falsch erwiesen hat.
Das sieht die schulpolitische Sprecherin der FDP, Mieke Senftleben ganz anders. "Die Praxis zeigt, dass das Probehalbjahr verschärft werden muss", sagt Frau Senftleben. Viel zu viele Schüler würden am Abitur scheitern, was man ihnen auf diesem Wege ersparen könne. Auch die Regelung für die Versetzungsnoten sei längst überfällig. Kritik übt die FDP-Abgeordnete jedoch an der "Rundschreibenpolitik". Auf diese Weise sei nicht geklärt, ob die Änderung auch juristisch haltbar sei. Die entsprechende Rechtsverordnung liegt erst im Entwurf vor. Eltern könnten deshalb, dagegen vorgehen, dass bereits erteilte Noten in das Versetzungszeugnis einfließen.
Auch ihre Amtskollegin von der CDU, Katrin Schultze-Berndt, begrüßt die Anpassung des Probehabjahres an die Versetzungsregeln. Auf diese Weise würde der Leidensweg verkürzt und der Weg zum Abitur bliebe auch von der Realschule oder Gesamtschule noch offen, weist sie die Kritik der Grünen zurück. Auch das die Abschlussnote für das gesamte Jahr gelte, sei für die CDU-Politikerin selbstverständlich. Schließlich sei auch das Wissen des gesamten Schuljahres wichtig.
Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, André Schindler, hält die Verschärfung der Auslese im Probehalbjahr dagegen für falsch. Zumal die Schulen durch die neuen Organisationsrichtlinien bereits gezwungen sind, Schüler auszusondern. Demnach seien in dem zugeteilten Stundenpool der Gymnasien schon die Schüler abgezogen, die die Probe nicht bestehen. "Schulen, die alle Schüler richtig fördern und durchbringen, werden hier bestraft", kritisiert André Schindler.




