Massive Kritik an Senator Böger
09.06.2002: (Berliner Morgenpost / S.N.) Nachdem es Berlin nun schwarz auf weiß hat, dass ein Großteil der Fünfjährigen mehr deutsch radebrecht als spricht, wirft die Opposition Schulsenator Klaus Böger (SPD) massive Versäumnisse in der Bildungspolitik vor.
Der schulpolitische Sprecher der CDU, Uwe Goetze, sagte, Böger habe aus dem ersten Sprachtest bei Vorschülern keine Konsequenzen gezogen. 1998/99 waren im Altbezirk Wedding erstmals 1500 Vorschüler auf ihre Deutschkenntnisse hin überprüft worden. Schon damals hätten für die Kitas "Vorgaben erarbeitet werden müssen, die festlegen, was in welchem Zeitraum mit den Kindern erreicht werden soll", stellte Goetze fest. Außerdem unterliefen die angekündigten Sparmaßnahmen in Kitas Bögers Verlautbarungen, diese als Bildungsstätten zu begreifen.
Kein Verständnis hat Goetze auch für die Haltung des Senators gegenüber dem Entwurf des FU-Professors Jörg Ramsegger zur bilingualen Alphabetisierung. Dessen These ist es, dass ein Kind, das Türkisch spricht, die deutsche Sprache nur dann erlernen kann, wenn es Lesen und Schreiben in seiner Herkunftssprache lernt. "Dass Böger dies nicht ausprobieren lassen will, aber auch keine Alternativen präsentiert, ist fahrlässig", kritisiert Goetze den Bildungssenator.
Für Mike Senftleben, die bildungspolitische Sprecherin der Berliner FDP, habe der Senat in den vergangenen Jahren die Bildung kaputt gespart. Im Kita-Bereich könne keine Rede mehr davon sein, dass Bildung Priorität habe, "wenn Gruppengrößen erhöht und den Kita-Leiterinnen die Möglichkeit genommen wird, diagnostische Aufgaben wahrzunehmen". Im Zusammenhang mit der Sprachstandserhebung fordert sie Spracheignungstests, die mit darüber entscheiden sollen, ob ein Kind eingeschult wird.
Enttäuscht zeigt sich der bildungspolitische Sprecher von B 90/Grüne, Özcan Mutlu, von Böger. "Ein Ankündigungssenator" sei dieser geworden. Vernünftige Forderungen im Koalitionsvertrag wie Sprachförderung in Kitas oder bessere Erzieherinnen-Ausbildung seien nicht finanziert.




