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Ausgetanzt: Kein Geld für Schul-Projekte nach Rattles Vorbild

05.06.2007: Berliner Morgenpost

Senat will für die Arbeit von professionellen Choreographen an Berliner Schulen nicht mehr zahlen

Von Florentine Anders

Chefdirigent Sir Simon Rattle hat mit seinen Philharmonikern 250 Schüler zum Tanzen gebracht. Die Entertainment-Gruppe "Young Americans" führte die Rütli-Schüler mit einer Bühnenshow zu einem Neuanfang. Ähnliche Projekte, die der Verein "TanzZeit" organisiert, stehen trotz des unerwarteten Erfolgs vor dem Aus. Der Senat streicht das Geld zur Vermittlung angesehener Choreographen an Berliner Schulen. "Rhythm is it" - so hieß der gefeierte Dokumentarfilm vor drei Jahren über die Arbeit der Berliner Philharmoniker und des britischen Choreographen Royston Maldoom, die den Anstoß gab für das Projekt. Seitdem besuchen Choreographen von großen Bühnen Berliner Schulen und unterrichten dort Tanz. Maldoom organisiert dazu regelmäßig die Fortbildungen der Künstler.

Die Senatskanzlei, unter dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) auch für kulturelle Angelegenheiten zuständig, fördert das Projekt in diesem Jahr mit 48 000 Euro. Die Finanzierung läuft jedoch Ende 2007 aus. Das geht aus der Antwort auf die Kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Özcan Mutlu hervor (siehe Anlage). Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hält zwar eine Förderung von TanzZeit für wünschenswert, sieht aber keine Finanzierungsmöglichkeiten. Schulische Neuerungen hätten Vorrang, heißt es in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage. Die Senatskanzlei ihrerseits will die Kosten nicht mehr allein tragen. Die Projektleiterin und Choreografin Livia Patrizi ist fassungslos. Denn der Erfolg des Vereins fand bundesweit und beim Berliner Senat große Beachtung.

Rütli-Schüler wollen weitermachen Mit zehn Klassen hatte man zu Beginn gerechnet. Inzwischen haben 167 Klassen an dem Projekt unter Schirmherrschaft der Choreographin Sasha Waltz teilgenommen. Das sind mehr als 4000 Kinder. 100 Schulen sind in der Warteschleife. Darunter auch die Rütli-Schule. Gern würde die Schule im Neuköllner Brennpunkt an das einmalige Bühnenerlebnis vor einem Jahr anknüpfen. Doch auf die Unterstützung durch professionelle Künstler müssen sie nun wohl verzichten. "Wir wissen nicht einmal, wie wir die Aufführung unserer laufenden Projekte im Januar finanzieren sollen", sagt Patrizi.

Das angekündigte Ende kommt für den Verein völlig unerwartet. Noch in der Koalitionsvereinbarung von Rot-Rot aus dem vergangenen Herbst ist die Weiterführung von "TanzZeit" ausdrücklich gewünscht. Das Projekt ist schließlich das Paradebeispiel für die "Kulturelle Bildung", eines der Schwerpunktthemen der Koalition. Kulturverwaltung und Bildungsverwaltung haben den Auftrag vom Abgeordnetenhaus erhalten, ein gemeinsames Konzept vorzulegen, wie Künstler und Schulen stärker zusammenarbeiten können. Doch passiert ist bisher nichts. Inzwischen hat der Senat die vierte Fristverlängerung für das Konzept beantragt. Bis Jahresende soll ein Entwurf vorliegen. Bis dahin sind die Zuständigkeiten weiter ungeklärt und die Verwaltungen schieben sich gegenseitig den Ball zu, wenn es um die Finanzierung von "TanzZeit" geht. Livia Patrizi fordert nun einen Extra-Fonds für die kulturelle Arbeit an Schulen: "Dann hätten wir wenigstens einen Ansprechpartner in der Verwaltung."

Aus der Berliner Morgenpost vom 5. Juni 2007

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