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Bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen

Mit der Einheitsschule, wie sie die SPD vorgeschlagen hat, wollen die Grünen nichts zu tun haben. Aber oberflächlich betrachtet schlagen sie das Gleiche vor: In Berlin sollen nach ihren bildungspolitischen Vorstellungen die Kinder künftig bis zur zehnten Klasse gemeinsam lernen. Das Vorbild sind skandinavische Schulen, die bei der internationalen Vergleichsstudie Pisa gut abgeschnitten haben. Es müsse um neue Lernformen gehen, sagte Öczan Mutlu, Bildungsexperte der Grünen. Im Mittelpunkt stehe die individuelle Förderung der Schüler. Dieser müsse sich die Schulstruktur anpassen. Das frühe Aussortieren der leistungsschwächeren Schüler sei der falsche Weg.

Leistung und Kontrolle in der Schule sind für die Grünen seit diesem Parteitag keine Tabu-Themen mehr. Die Partei schlägt zwar vor, dass die Noten bis einschließlich Klasse acht durch "individuelle Lernentwicklungsberichte" ersetzt werden sollen und das Sitzenbleiben ganz abgeschafft werden soll. Zugleich will sie aber, dass der Erfolg der Bildungsarbeit von Kitas ebenso kontrolliert wird wie der von Schulen. Dafür soll eine unabhängige Qualitätsagentur geschaffen werden.

Auch landesweit einheitliche Prüfungen sind den Grünen nicht mehr fremd. Rund ein Drittel der Parteitagsdelegierten stimmte sogar fürs Zentral-Abitur und einen vom Land vorgegeben mittleren Bildungsabschluss. Im Leitantrag heißt es nun etwas dezenter: "Um eine Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse sicherzustellen, sollen Abitur und mittlerer Schulabschluss neben individuellen Lernleistungen aus dem letzten Schuljahr zentrale Prüfungselemente enthalten."

Das letzte Jahr in der Kita vor der Einschulung soll für die Kinder kostenfrei sein. Die Forderung, dass dieses Jahr für alle verpflichtend sein soll, wurde abgelehnt. Es seien bereits 95 Prozent der Kinder in vorschulischen Einrichtungen, sagte Mutlu.

Die Grüne Jugend konnte sich zwar mit ihrer Forderung nach der Wiedereinführung der völligen Lernmittelfreiheit nicht durchsetzen. Dafür aber mit ihrem Antrag, dass das Geld, das durch den Schülerrückkgang eingespart wird, "ausschließlich" für den Bildungsbereich gesichert wird. Mit diesem Geld, das frei wird, weil auch weniger Lehrer gebraucht werden, will im Übrigen auch die CDU ihre Reformen finanzieren.

Die Einheitsschule der SPD bedeute nur, die bestehenden Strukturen unter einem Dach zusammenzufassen, sagte der Grünen-Vorsitzende Till Heyer-Stuffer. Die Gemeinschaftsschule der Grünen sei etwas anderes. "Einen Namen suchen wir noch." (tom.)

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