Kein Grund zur Entwarnung - Konsequenzen aus PISA 2003 ziehen!
PISA 2003 zeigt erneut: Der große Skandal des deutschen Bildungswesens besteht im engen Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Deswegen brauchen wir keine kurzfristigen Maßnahmen, sondern eine tief greifende Reform des Schulsystems.
Ein Kernproblem unserer Schulen liegt in dem überkommenen Unterrichtsverständnis. Homogene Schülergruppen sollen in der gleichen Zeit das Gleiche lernen. So werden weder Leistungsstarke noch Leistungsschwache gefördert. Das deutsche Schulsystem vernachlässigt sozial benachteiligte SchülerInnen. Diese Erkenntnisse dürfen wir nicht länger ignorieren.
Es ist an der Zeit, das gegliederte Schulsystem aufzugeben. Viele bei PISA erfolgreiche Länder haben eine Gemeinsamkeit: Die Schülerinnen und Schüler werden möglichst lange gemeinsam unterrichtet. Individuelle Förderung ist in diesen Ländern keine Floskel, sondern die Regel. Deshalb fordern wir mittel- bis langfristig eine integrative Schule, in der alle Schülerinnen und Schüler bis zur 10. Klasse gemeinsam mit- und voneinander lernen.
Wir müssen endlich die Konsequenzen ziehen und umsteuern. Dazu zählt besonders:
- Verbesserte Bildungsangebote schon im frühkindlichen Alter
- Stärkung der gleitenden Eingangsphasen in den Grundschulen
- Förderung aller Kinder, seien sie sozial benachteiligt oder besonders leistungsstark
- Schluss mit dem frühen Aussortieren, das soziale Unterschiede zementiert; stattdessen muss die Unterschiedlichkeit der Schülerschaft im Unterricht berücksichtigt werden
- Mehr Zeit zum Lernen in Ganztagsschulen, die unterschiedliche Berufsgruppen in ihr Konzept miteinbeziehen
- Stärkung der diagnostischen und pädagogischen Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern durch Aus-, Fort- und Weiterbildung
- Bildungsstandards, die Schulen auf gute Ergebnisse verpflichten
- Selbstständige Schulen, die für die Ergebnisse ihrer Lernprozesse verantwortlich sind.




