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Eltern sind genervt vom Zahlenstreit um Lehrer

31.08.2007: Berliner Zeitung

Der Senator sagt, dass an 51 Schulen Pädagogen fehlen - die Gewerkschaft zählt aber 140

Auf der Internetseite des Landeselternausschusses könnte man ohne Probleme die Namen der Schulen veröffentlichen, denen im Moment noch Lehrer fehlen. "Und zwar alle Schulen", schlägt der Vorsitzende des Landeselternausschusses, André Schindler, vor. Mit dem Vorstoß reagiert er sichtlich genervt auf den aktuellen Streit zwischen der Senatsbildungsverwaltung und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) über die Lehrerausstattung der Schulen. In einer Umfrage hatte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) "maximal" 51 Schulen ermittelt, denen noch wenige Lehrer fehlen. Die Vereinigung Berliner Schulleiter in der GEW (VBS) hat dagegen in einer zeitgleichen Erhebung ermittelt, dass mindestens 220 Lehrer an mehr als 140 Schulen fehlen.

"Dann sollen halt beide Organisationen Ross und Reiter nennen", sagt Schindler. Einfach nur Zahlen in die Welt zu setzen bringe nichts. Er machte keinen Hehl daraus, dass er die Zahlen der Schulleiter skeptisch sieht. Die Bildungsverwaltung habe sich in diesem Jahr sehr bemüht, die Schulen rechtzeitig mit ausreichend Lehrern auszustatten. Er habe den Eindruck, so Schindler, dass ein Großteil der Ausfälle in den Schulen selbst durch schlechte Organisation produziert werde. Schindler hofft, dass es nächstes Jahr gelingt, das Schuljahr sehr viel früher vorzubereiten. Nach den Vorschlägen seiner Arbeitsgruppe will Bildungssenator Zöllner damit schon im Februar beginnen. Die Lehrereinstellungen sollen dann bereits im Frühjahr abgeschlossen sein.

Dass in den nächsten Wochen noch viele Lehrer an andere Schulen versetzt werden, findet Schindler "nicht schön". Aber die Schulleiter wüssten doch, ob sie Gefahr laufen, einen Lehrer zu verlieren oder nicht. "Da mache ich mir dann doch Gedanken, ob ich den als Klassenlehrer einsetze", sagte er.

Gemessen an seinem eigenen Anspruch, die Schulen rechtzeitig hundertprozentig mit Lehrern auszustatten, sei Zöllners erster Schulstart gescheitert, urteilt Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Die Lehrerversorgung scheint noch schlechter als in den Jahren zuvor. Ähnlich äußert sich auch Mutlus FDP-Kollegin Mieke Senftleben. Die Lehrer-Abfrage hätte schon vor vier Wochen erfolgen müssen. "Jetzt muss schnell nachbesetzt werden", sagt sie.

Senftleben kritisiert aber auch die Gewerkschaften wegen ihrer Haltung bei der neuen Vertretungsregelung. Weil die Personalvertretungen auf umständliche Mitbestimmungsregeln und -fristen beharrten, werde es den Schulen nicht möglich sein, schnell und flexibel Vertretungslehrer anzuheuern. "Das finde ich empörend", sagt Senftleben.

Die Schulen können erstmals selbst über drei Prozent ihres Personaletats verfügen. Unter anderem am Widerstand der Gesamtfrauenvertretung scheiterte der Plan, die Schulen Bewerberlisten aufstellen zu lassen, die pauschal von den Personalvertretungen genehmigt werden. Die Schulleiter hätten dann im Krankheitsfall eines Kollegen nur die Liste durchzutelefonieren brauchen. Außerdem lehnt der Hauptpersonalrat ab, an jeder Schule einen Personalrat zu installieren. Denn bislang soll es dafür keine Entlastung bei der Unterrichtsverpflichtung geben. Die sei auch nicht nötig, sagt Senftleben. Den Aufwand könne man anders entschädigen, etwa durch Zahlungen für Sitzungsstunden, die anfallen. "Personalräte gehören an die Schulen, wenn dort Personalentscheidungen fallen."

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