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Bildungssenator Zöllner will 118 Lehrer einstellen

10.11.2007: Die Welt

Erstmalig will Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) zum zweiten Halbjahr Lehrer neu und unbefristet einstellen. Die Lehrergewerkschaft GEW begrüßt die Entscheidung zwar, sieht aber dennoch keine Änderung an der gegenwärtigen Situation.

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) will zum zweiten Halbjahr 118 Lehrer neu und unbefristet einstellen. Grundlage ist der Ersatz von Lehrkräften, die bis zum Februar 2008 in den Ruhestand gehen werden. "Wir wollen, dass die Schulen eine gleichmäßig und gute Ausstattung vom ersten bis zum letzten Schultag haben", sagte Zöllner. Deswegen gebe es nun erstmalig Einstellungen zum Halbjahr. Peter Sinram, Sprecher der Lehrergewerkschaft GEW, begrüßte den zweiten Einstellungstermin. "Wir haben das seit langem gefordert", sagte er. Die 118 Neueinstellungen würden aber nichts an der gegenwärtigen Situation ändern, weil sie nur jene Lehrer ersetzen, die in den Ruhestand gehen, ist Sinram überzeugt. "Die Schulen werden weiterhin einer Personalausstattung von 100 Prozent hinterherlaufen und viele werden dieses Ziel nicht erreichen."

Suche nach geeigneten Bewerbern ist schwierig "Wir brauchen zusätzliches Personal, um die akuten Probleme der Schulen zu beheben und eine hundertprozentige Unterrichtsversorgung zu sichern", fordert Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen. Für Mutlu besteht ein weiteres Problem darin, geeignete Bewerber für die 118 neuen Stellen zu finden. Laut Senatsverwaltung sind Bewerbungen bis zum 23. November möglich. "Die nötigen Fachkräfte sind gar nicht da", so Mutlu. Das hätten viele Schulen bereits bei der Suche nach Vertretungslehrern zu spüren bekommen. "Berlin zahlt jetzt den Preis dafür, dass es in der Vergangenheit viele gute Lehrer in andere Städte abwandern ließ."

"Einstellungsbedingungen in Berlin sind katastrophal" Auch jetzt noch, so Mutlu, seien die Einstellungsbedingungen in der Hauptstadt verglichen mit denen anderer Bundesländer katastrophal. "Wer in Berlin neu anfängt, verdient rund 46,6 Prozent weniger als im übrigen Bundesgebiet", bestätigt Rose-Marie Seggelke, GEW-Vorsitzende in Berlin. Weiterführende links

"Fachlehrer fehlen", sagt auch GEW-Sprecher Sinram. So habe es bereits große Schwierigkeiten gegeben, die etwa 84 Stellen zu besetzen, die Anfang des Schuljahres nachträglich genehmigt worden waren. Einige seien noch immer vakant. Laut Stellenausschreibung der Bildungsverwaltung können sich für die Fächer Mathematik, Physik, Chemie, Informatik, Musik, Englisch, Latein und Spanisch auch Quereinsteiger bewerben. "In diesen Fächern ist der Lehrermarkt komplett leergefegt", sagt GEW-Sprecher Sinram. Immer mehr Schulleitungen seien schon bei der Suche nach befristeten Vertretungslehrern erfolglos, heißt es auch in einer Presseerklärung des Gesamtpersonalrates der allgemeinbildenden Schulen. Die Nachfrage übersteige inzwischen deutlich die Zahl der Bewerbungen. "Schulen werden durch diese Situation in eine gnadenlose Konkurrenz zueinander getrieben, in der diejenigen, die in sozial stark belasteten Gebieten mit erschwerten Arbeitsbedingungen liegen, als Verlierer dastehen", so der Gesamtpersonalrat.

Forderung nach neuem Einstellungsverfahren Sascha Steuer, bildungspolitischer Sprecher der CDU, kritisiert die Einstellungspolitik der Schulverwaltung. "Für das kommende Schuljahr muss ein ganz anderes Verfahren gefunden werden", fordert er. Gute Universitätsabsolventen müssten dazu bewegt werden, in Berlin zu bleiben. "Es kann nicht sein, dass die Besten gehen, nachdem wir sie hier teuer ausgebildet haben", so Steuer. "Für Schüler und Eltern kann ich nur hoffen, dass die Angaben zu den Stellenzahlen nicht wieder nachträglich korrigiert werden müssen", sagt Mieke Senftleben, Bildungsexpertin der FDP.

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