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Sprachförderung in Kitas mangelhaft

30.11.2007: Berliner Morgenpost

Nach dem guten Abschneiden der deutschen Grundschüler bei der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) haben Wissenschaftler der Freien Universität Berlin jetzt die Sprachförderung in den Kitas der Hauptstadt als sehr unzureichend kritisiert. " Viele Kita-Erzieherinnen sind mit dieser Aufgabe überfordert", sagte Bettina Hannover. Die Professorin ist im Bereich Schulpädagogik, Schul- und Unterrichtsforschung tätig.

Hinzu komme, dass es im Kita-Bereich eine Vielzahl unterschiedlicher Träger gibt. Einheitliche Sprachfördermaßnahmen seien deshalb bisher nicht durchsetzbar. Die Wissenschaftlerin verwies in diesem Zusammenhang auf die Iglu-Studie, die explizit die schwachen Leseleistungen von Migrantenkindern und Kindern aus sozial schwachen Familien festgestellt hatte. Gerade diese Kinder seien aber auf eine gute Sprachförderung in der Kita angewiesen, um gute Startchancen in der Grundschule zu haben.

"Das größte Problem der Kita-Erzieherinnen ist die fehlende Zeit", sagte Christiane Weißhoff, bei der GEW für den Kita-Bereich zuständig. Eine Erzieherin müsse sich häufig um mehr als 15 Kinder kümmern, da bliebe einfach kein Raum für individuelle Sprachförderung. Eine Umfrage, an der sich im Frühjahr rund 1300 Kita-Erzieherinnen beteiligt hatten, habe ergeben, dass diese keine Zeit haben, um die Kinder zu beobachten und ihren Sprachstand zu dokumentieren. Mehr als die Hälfte waren deshalb nicht in der Lage, das Sprachlerntagebuch zu führen, dass laut Kita-Bildungsprogramm für jedes Kind angelegt werden soll.

"Wir fordern dringend einen anderen Personalschlüssel für die Kitas", sagte Burkhard Entrup, Vorsitzender des Landeselternausschusses Kita. Sollte diese Forderung politisch kein Gehör finden, werde man prüfen, ob ein Volksbegehren eingeleitet werden kann. "Vertreter der GEW sind zurzeit mit den Regierungsparteien im Gespräch", betonte auch Christiane Weißhoff. Ihre Forderung: Für Kitas müsse mehr Geld in den Doppelhaushalt 2008/09 eingestellt werden.

Mieke Senftleben, schulpolitische Sprecherin der FDP, erneuerte ihre Forderung nach Einführung von kostenlosen Start-Klassen. Ein Jahr lang sollen dort alle Kinder von Lehrern und Erziehern gezielt auf die Schule vorbereitet werden. Nur mit einer hochwertigen vorschulischen Bildung könnten die Startchancen von Kindern aus bildungsfernen Schichten nachhaltig verbessert werden, sagte sie. Auch Özcan Mutlu, Bildungsexperte der Grünen, forderte den Senat auf, die Iglu-Ergebnisse ernst zu nehmen, Kitas sowie Grundschulen personell und materiell zu stärken.

Kenneth Frisse, Sprecher der Bildungsverwaltung, verweist auf eine Vielzahl von Maßnahmen zur Sprachförderung. Seit 2004 würde der Sprachstand aller Kinder erhoben, die im darauffolgenden Schuljahr eingeschult werden. Wer Förderbedarf habe, werde entweder in der Kita besonders gefördert oder während 285 Förderstunden an einer Schule.

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