PISA: Kein Grund zur Entwarnung - es gibt noch viel zu tun!
Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, erklärt:
Die neuen PISA-Ergebnisse zeigen, dass sieben Jahre nach dem ersten PISA-Desaster, immer noch die soziale Herkunft über den Bildungserfolg junger Menschen entscheidet. Schülerinnen und Schüler aus sozial schwachen Familien und mit Migrationshintergrund haben es weiterhin extrem schwer in unserem Schulsystem. Das immerhin gute Abschneiden bei den Naturwissenschaften ist kein Anlass zur Entwarnung, angesichts der starken Spreizung zwischen den besten und den schwächsten Schülern und der Stagnation bei der Lese- und bei der Mathematik-Kompetenz der Schüler.
Aus der PISA-Studie werden viel zu schleppend Konsequenzen gezogen. Grundlegende Bildungsreformen sind nicht in Sicht. Der Anteil öffentlicher Bildungsausgaben an den öffentlichen Gesamtausgaben der Bundesrepublik liegt deutlich unter dem OECD-Durchschnitt und stagniert seit Jahren. Ein Kernproblem unserer Schulen liegt in dem überkommenen Unterrichtsverständnis: vermeintlich homogene Schülergruppen sollen in der gleichen Zeit das Gleiche lernen. So werden weder Leistungsstarke noch Leistungsschwache gefördert. Stattdessen müssen alle SchülerInnen individuell gefördert werden und die Qualität vorschulischer Bildung und Erziehung verbessert werden.
Es ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, ALLEN Kindern dieselben Bildungschancen zu gewähren, damit sie ihre Potenziale entfalten können. Schulen in sozialbenachteiligten Gebieten oder mit hohen MigrantInnenanteil müssen gezielter und stärker gefördert werden. Der Ausbau von Ganztagsangeboten, die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe sowie eine Bildungs- und Sprachoffensive für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache bedürfen verstärkter finanzieller Förderung und Sicherung.
Es gibt jedenfalls noch viel zu tun - das ist das Fazit aus den jüngsten Studien. Wir fordern den Senat auf, die IGLU- und PISA-Ergebnisse ernst zu nehmen und als ersten Schritt, die Kitas und Grundschulen personell und materiell zu stärken!
(c) Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus - Berlin




