Experten diskutierten in Berlin über die Internationalisierung von Bildung.
05.12.2007: BildungsSpiegel
Für Weiterbildung im Ausland gibt es viele gute Gründe. Das wurde bei Veranstaltung "Die Zukunft ist international - 20 Jahre Informations- und Beratungsstelle IBS" am 3. Dezember 2007 im Deutschen Bundestag deutlich. Dort diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Bildung über den Stellenwert und die Perspektiven beruflicher Qualifizierung im Ausland.
"Ein Großteil der deutschen Unternehmen ist nur noch dann wettbewerbsfähig, wenn sie Mitarbeiter haben, die international kommunizieren können. Auslandsweiterbildung hat einen dreifachen Nutzen: Für das Individuum, für Betriebe, für die Volkswirtschaft", so Kornelia Haugg vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in ihrer Eröffnungsrede. Zu der Veranstaltung hatte InWEnt im Auftrag des BMBF anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Informations- und Beratungsstelle IBS eingeladen. InWEnt ist einer der größten deutschen Anbieter von beruflicher Weiterbildung im Ausland. Mit ihren Bildungs-, Austausch- und Dialogprogrammen für jährlich rund 55.000 Fach- und Führungskräfte aus allen Regionen der Welt ist InWEnt die große Gemeinschaftsinitiative von Bund, Ländern und Wirtschaft für weltweite Bildung und Zusammenarbeit.
Die vom BMBF bei InWEnt eingerichtete IBS berät Auszubildende, Berufstätige, Unternehmen und Multiplikatoren über Auslandsweiterbildung. Pro Jahr wenden sich 40.000 Interessenten mit Fragen zur Planung und Finanzierung eines Auslandsaufenthalts an die Servicestelle. Auslandserfahrung wichtiger denn je "Als das Bundesministerium für Bildung und Forschung vor 20 Jahren die IBS einrichtete, bewies es Weitblick. Berufliche Auslandserfahrung hat heute größere Bedeutung als je zuvor. Damit wird gleichzeitig auch die Beratung immer wichtiger", sagte InWEnt-Geschäftsführerin Dr. Gudrun Kochendörfer-Lucius.
Immer mehr junge Berufstätige möchten im Ausland ihre Qualifizierung erweitern. Doch nur drei bis vier Prozent der Auszubildenden und Berufsanfänger setzen diesen Plan tatsächlich um. Bei der internationalen Berufsbildung besteht also Nachholbedarf, zumal im Hochschulbereich Auslandsaufenthalte bereits zum Standard gehören. Ein Fünftel der Studierenden absolviert einen Ausbildungsteil fern der Heimat.
Die Teilnehmer der Veranstaltung diskutierten, wie man das Sammeln beruflicher Erfahrungen im Ausland weiter erleichtern und fördern kann. Denn: "Junge Fachkräfte ins Ausland zu schicken, ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit", brachte es Susanne Burger vom BMBF auf den Punkt.
Von Anderen lernen
Das gilt insbesondere unter wirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Ihre Wettbewerbsfähigkeit können deutsche Unternehmen nur mit Hilfe international erfahrener Mitarbeiter erhalten. Gerade als rohstoffarme Exportnation muss Deutschland in die internationale Ausbildung seiner Fach- und Führungskräfte investieren. "Die Internationalisierung zu fördern, dient dem Standort Deutschland. Fremdheit überwinden, Gemeinsamkeiten schaffen: Das ist der Kern der Globalisierung. Niemand auf der Welt ist so gut, dass er nicht von Anderen lernen könnte", sagte der Vorstandsvorsitzende der REWE-Gruppe, Alain Caparros.
Auch die Gesellschaft profitiert von jungen Leuten, die sich für andere Länder und deren Sprache und Kultur interessieren. "Wer Auslandserfahrung gesammelt hat, geht unverkrampfter mit Interkulturalität um", ist Özcan Mutlu, Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin, überzeugt. Der in der Türkei geborene und in Deutschland aufgewachsene bildungspolitische Sprecher der Grünen im Berliner Landtag absolvierte im Rahmen des von InWEnt organisierten Fachhochschulprogramms einen Teil seines Studiums in den USA. "Das war die weiseste Entscheidung meines Lebens", sagt Mutlu und kommt damit auf die individuellen Vorteile der Auslandsqualifizierung zu sprechen. In seinem Fall sicherte das Auslandsstudium den schnellen Berufseinstieg.
Wie er berichten die meisten Teilnehmer internationaler Qualifizierungsprogramme von Karriere-Vorteilen. So bekleidet die erst 30-jährige Christina Rentzmann bereits eine verantwortliche Position im Bundesumweltministerium. Zu verdanken hat sie das unter anderem einem Sprach- und Arbeitsaufenthalt in China, gefördert durch die Heinz Nixdorf Stiftung. "Auslandserfahrung verhilft einem beruflich zu einem gewissen Standing und bringt einen auch in der persönlichen Entwicklung voran", meint Rentzmann.
Kleine Unternehmen holen auf
Um all diese Vorteile auszuschöpfen, sollte auch im beruflichen Bereich Auslandsweiterbildung für jedermann zur Selbstverständlichkeit werden, forderten die Teilnehmer der Festveranstaltung. So früh wie möglich soll bei jungen Leuten das Interesse für andere Kulturen und Sprachen geweckt werden. "Ein Schüler- oder Azubi-Austausch bringt mehr, als bloßes Vokabeln pauken", sind die Experten überzeugt. Auch in den Unternehmen muss Auslandsweiterbildung stärker verankert werden. Im Großen und Ganzen hat jedoch ein Bewusstseinswandel stattgefunden: Zunehmend unterstützen auch kleinere Firmen Auslandsaufenthalte, zum Beispiel im Rahmen bilateraler Austauschprogramme für Auszubildende. "Auch den jungen Leuten selbst müssen wir die Botschaft rüber bringen: Auslandsaufenthalte sind sinnvoll und machen Spaß", sagte Susanne Burger vom BMBF.
Das Ministerium jedenfalls hat sich vorgenommen, die Zahl der heute etwa 12.000 mobilen Auszubildenden bis zum Jahr 2015 zu verdoppeln.
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