Eltern suchen selbst nach Vertretungslehrern
21.12.2007: Berliner Morgenpost
Zöllners Pool funktioniert nicht. Elternausschuss fordert personelle Konsequenzen Von Regina Köhler Die Personalsituation an den Berliner Schulen spitzt sich weiter zu. Auf der Suche nach Vertretungskräften hat die Uhlenhorst-Grundschule in Köpenick jetzt erstmals die Eltern um Hilfe gebeten. Im Weihnachtsbrief der Schule werden diese aufgefordert, in ihrem persönlichen Umfeld nach geeigneten Vertretungslehrern Ausschau zu halten.
"Wir haben seit Schuljahresbeginn mit einem hohen Krankenstand zu kämpfen. Teilweise waren 5 von 19 Kollegen nicht da", sagte Schulleiterin Ina Jentzsch. Im Vertretungspool der Senatsverwaltung habe man aber keine geeigneten Kräfte finden können und deshalb jetzt die Eltern aufgefordert, sich nach Vertretungslehrern umzusehen.
Untätigkeit Zöllners wird kritisiert "Die Bildungsverwaltung muss den Vertretungspool bis zum Ende des Schulhalbjahres auf Vordermann bringen. Schafft sie das nicht, müssen personelle Konsequenzen zum Tragen kommen", forderte André Schindler, Vorsitzender des Landeselternausschusses. Es könne nicht sein, dass die Eltern Aufgaben der Verwaltung übernehmen sollen.
Das Personalkosten-Budgetierungsmodell, das den Schulen Mittel zur Einstellung von Vertretungskräften zur Verfügung stellt, sei der richtige Schritt. Nur müsse der entsprechende Pool aktualisiert und regelmäßig gepflegt werden, so Schindler.
Dass der Vertretungspool nicht funktioniert, musste auch Schulleiterin Jentzsch erfahren. "Wir haben mehr als 60 Personen von der Liste angeschrieben. Die Hälfte hat gar nicht erst geantwortet, die anderen waren bereits beschäftigt", berichtete sie. Die Schule hätte die ihr zur Verfügung stehenden Mittel für Vertretungskräfte deshalb überhaupt nicht ausgeben können, obwohl sie diese Kräfte wegen des dauerhaft hohen Krankenstandes dringend gebraucht hätte, so Jentzsch.
Bessere Einstellungsbedingungen gefordert "Es ist eine Zumutung, dass die Schulverwaltung die Schulen derart im Stich lässt", sagte Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Grünen. Der Bildungsfachmann forderte die Verwaltung auf, den Vertretungspool unverzüglich auf den neuesten Stand zu bringen. Es sei Aufgabe der Verwaltung, für Vertretungskräfte zu sorgen. "Außerdem müssen die Einstellungsbedingungen im Land Berlin so verändert werden, dass mehr gut ausgebildete Lehrkräfte in der Stadt bleiben, statt in andere Bundesländer abzuwandern", forderte Mutlu.
In der Bildungsverwaltung wird das Vorgehen der Köpenicker Grundschule indes begrüßt. "Die Uhlenhorst-Grundschule will jetzt offensichtlich einen schulischen Bewerberpool einrichten. Das hatten wir den Schulen - im Sinne der Eigenverantwortung - von Anfang an empfohlen", sagte Kenneth Frisse, Sprecher der Bildungsverwaltung. Mit solchen Pools sei es bereits den 30 Schulen im Modellvorhaben "Eigenverantwortliche Schulen" gelungen, Vertretungen zu organisieren.
Aus der Berliner Morgenpost vom 21. Dezember 2007




