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Lehrermangel: Kritik an Untätigkeit des Senats

Opposition fordert große Werbekampagne Von Christa Beckmann

Angesichts des drohenden Lehrermangels an den Berliner Schulen wirft die Opposition Bildungssenator Klaus Böger (SPD) Untätigkeit vor. "Es ist ein Irrglaube, wenn Herr Böger meint, die Hauptstadt sei so attraktiv, daß alle Lehrer nach Berlin wollten", kritisierte der schulpolitische Sprecher der Grünen, Özcan Mutlu. Die Spreestadt konkurriere mit allen anderen Bundesländern um den Pädagogennachwuchs, "und da hat Berlin als Pleitestadt schlechtere Karten als Bayern oder Hessen". Im Gegensatz zu anderen Bundesländern werden Lehrer in Berlin nicht mehr verbeamtet, neu angestellte Kräfte müssen zudem auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten. Wie berichtet, will Berlin auch die Zahl der Ausbildungsplätze für das Referendariat bis 2006 von 1900 auf 1500 reduzieren. "Die jetzigen Grundschüler werden den Lehrermangel spätestens am Gymnasium durch Unterrichtsausfall zu spüren bekommen", prophezeit der grüne Bildungsexperte.

Auch die CDU warf Böger vor, er riskiere, daß Berlin im Bildungswettbewerb noch weiter zurückfalle. "Der Hauptstadtbonus allein reicht nicht", warnte die schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Katrin Schultze-Berndt. Sie fordert vom Senat eine groß angelegte Werbekampagne für den Lehrerberuf. Ebenso wie ihr Kollege von den Grünen warnte sie davor, als Ersatz für fehlende Lehrer in großem Stil auf "Quereinsteiger" aus anderen Berufen zu setzen: "Das bedeutet einen Qualitätsverlust." FDP-Bildungsexpertin Mieke Senftleben kritisierte die Personalbedarfsplanung der Schulverwaltung: "Die von ihr aufgestellten mehrjährigen Prognosen liegen jedes Mal voll daneben." Die FDP fordert deshalb, den Schulen ihre eigene Personalplanung zu überlassen. Vor Ort könne schneller erfaßt werden, wer zu welchem Zeitpunkt ausscheidet, um gezielt für Ersatz zu sorgen. Währenddessen fällt nach einer neuen Statistik der Bildungsverwaltung weniger Unterricht aus. Demnach sank die Quote der ersatzlos gestrichenen Stunden von 3,1 Prozent im Schuljahr 2003/04 auf 2,6 Prozent im vergangenen Jahr. Dennoch fielen 2004/05 von den gut 573 000 Stunden pro Woche etwa 14 800 aus. 43 200 Unterrichtsstunden mußten pro Woche von anderen Pädagogen vertreten werden. In nahezu drei Viertel dieser Fälle war die Lehrkraft erkrankt. Weitere Gründe für Vertretungsstunden oder Unterrichtsausfall waren schulische Veranstaltungen und Fortbildungen oder Sonderurlaube.

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