Lüften, wischen, saugen Feinstaub-Belastung in Klassenzimmern ist zu hoch - Grüne fordern Lüftungspläne
Von Tobias Miller
Nach der ersten Hofpause ist es in den Klassenzimmern der Anna-Lindh-Grundschule in Wedding vorbei mit der Sauberkeit. "Wir haben einen Hof mit Rindenmulch", sagt die stellvertretende Schulleiterin Manduela Krüger. Ideal zum Spielen und Toben. Aber es wird auch viel Schmutz ins Schulgebäude getragen. Bis vor ein paar Monaten griffen Schüler und Lehrer einfach mal selbst zum Besen. Doch solches Selbstreinigen hat Bildungssenator Klaus Böger (SPD) im Herbst verboten. Durch das Fegen werde der gesundheitsschädliche Feinstaub zu sehr aufgewirbelt, lautete die Begründung. Die Schulen sollten besser feucht gewischt oder mit Staubsaugern gereinigt werden. Doch dafür fehlt den Bezirken oft das Geld.
Die Reinigungsetats der Bezirke sind in den vergangenen zehn Jahren um rund die Hälfte gekürzt worden. Gleichzeitig wurde das Problem mit dem Feinstaub in der Klassenzimmerluft immer größer. Das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi) hatte vor knapp zwei Jahren eine Untersuchung an 40 Schulen vorgelegt, die eine Besorgnis erregende Konzentration von Kohlendioxid und von Feinstaub festgestellt hat. Die Empfehlung war, auf Fegen zu verzichten, ausreichend zu lüften, feucht die Böden zu wischen oder mit Staubsaugern zu arbeiten, die über Spezialfilter verfügen.
Passiert ist aber, außer dem Verbot des Selberkehrens, offenbar wenig. Seit zwei Jahren gibt es zwar sogar eine DIN-Vorschrift zur Reinigung von Schulgebäuden. Sie beschreibt "Mindestanforderungen". Klassenzimmer ohne Teppich sollen demnach mindestens einmal in der Woche gereinigt werden. Zur Staubentfernung "sind staubbindende Verfahren" anzuwenden, heißt es dort. Das müsse nicht immer Feuchtwischen bedeuten, sagt Christine Sudhop, stellvertretende Geschäftsführerin des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereinigerhandwerks. Es gebe auch Vliese, die so behandelt sind, dass sie den Staub binden. Entscheidender ist nach ihren Worten eher die Häufigkeit der Reinigung. Doch das kostet Geld. Nur wenige Bezirke, so die Kritik der Berliner Innung, würden wenigstens die DIN-Vorschrift zur Grundlage der Ausschreibung für die Reinigungsleistung machen.
Die Grünen wollen im neuen Jahr daher parlamentarisch aktiv werden, um in den Klassen für bessere Luft zu sorgen. Es müssen Zielvorgaben für einen Raumluftstandard festgelegt werden, forderten der bildungspolitische Sprecher Özcan Mutlu und die Verbraucherschutzexpertin Claudia Hämmerling. Es müsse auch Lüftungspläne für jede Schule geben, die natürlich ihre Fenster öffnen können müssten. "Das ist leider nicht in jeder Schule möglich", sagte Mutlu. Und auch die Reinigungsarten müssten festgelegt werden. Im November hat die Fraktion an zwei Kreuzberger Schulen die Luft untersuchen lassen. Die Werte lagen zum Teil um das Sechsfache über dem Wert, der für die Außenluft zugelassen wird. "Das grenzt an Körperverletzung", sagte Hämmerling. (tom.)




