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Grüne sehen Eltern stärker in der Pflicht

10.02.2008: Berliner Morgenpost

165 Gewalttaten gegen Grundschullehrer

Von Gilbert Schomaker

Als Konsequenz aus 165 Gewaltvorfällen an Grundschulen, bei denen Lehrer von Schülern geschlagen wurde, hat der Schulexperte der Grünen, Özcan Mutlu, eine verstärkte Zusammenarbeit von Schulen, Jugendämtern und Polizei mit den Eltern gefordert. "In diesem Alter können und müssen die Eltern noch auf ihre Kinder einwirken. Wer in der Grundschule schon durch Schlägereien auffällt, gegen den muss früh gehandelt werden, sonst haben wir in der Oberschule einen kriminellen Serientäter", sagte Mutlu.

Die Eltern müssten als Partner der staatlichen Organisationen gewonnen werden. "Denn es sind die Väter und Mütter, die in der Pflicht stehen, dass ihre Kinder nicht gewalttätig werden", sagte Mutlu. Seine Anfrage an den Senat hatte ergeben, dass im Schuljahr 2006/07 insgesamt 165 Vorfälle der Schulverwaltung gemeldet wurden, bei denen Lehrer die Opfer von prügelnden Grundschülern waren. Mutlu setzte sich auch für eine Fortbildung der Pädagogen ein, die gezielt zum Thema Gewaltprävention abgehalten werden sollen. Zudem forderte er eine flächendeckende Einführung von "Vertrauenspolizisten", also einem Beamten, der für die Schulen als Ansprechpartner zur Verfügung steht und der auch bei Eltern von auffälligen Kindern vorstellig wird. "Dafür muss die Polizei ausreichend ausgestattet werden", sagte Mutlu.

Der Staatssekretär in der Senatsschulverwaltung, Eckart R. Schlemm, verwies darauf, dass es schon einige "bewährte Konzepte zur Gewaltprävention" gibt. "Damit die Verantwortlichen in den Schulen Gefährdungen früh erkennen und ihnen angemessen begegnen können, bieten die Schulpsychologen auch im kommenden Jahr in ihrer Region Fortbildungen zur Gewaltprävention und zum Handeln nach Gewaltvorfällen und den Notfallplänen für die Schulen an. Dabei gilt der Zusammenarbeit insbesondere mit dem Jugendamt bei Gefährdungen des Kindeswohls besondere Aufmerksamkeit", schreibt Schlemm in seiner Antwort auf die parlamentarische Anfrage. Er verwies auf die Projekte "Denkzeit", ein sozialtherapeutisches Programm zum Erlernen sozialer Verhaltensweisen, und "Leaking", ein Projekt der Freien Universität Berlin. Ziel dieses Vorhabens ist es, mögliche Fälle von schwerer Gewalt an Schulen schon im Vorfeld zu verhindern.

Aus der Berliner Morgenpost vom 10. Februar 2008

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