Schul-Misere: Heftige Kritik an der Bildungspolitik des Senats
27.09.2002: (Berliner Morgenpost) CDU, FDP und Grüne werfen Bildungssenator Klaus Böger Tatenlosigkeit vor: "Vermeintliche Erfolgsbilanz ist keine" Von Christa Beckmann
Berlin - Heftige Kritik an seiner Schulpolitik hat Bildungssenator Klaus Böger gestern im Abgeordnetenhaus einstecken müssen. In einer hitzig geführten Debatte warf die Opposition Böger eine verfehlte Bildungspolitik und Tatenlosigkeit vor. Der Senator verteidigte dagegen sein Reformkonzept. Das Gelingen hänge entscheidend davon ab, dass genügend Geld für Lehrer, Lernmittel und Schulsanierung zur Verfügung gestellt werde.
"Fangen Sie endlich an umzusteuern", rief der Grünen-Abgeordnete Özcan Mutlu dem Senator zu. Ankündigungen müssten jetzt Taten folgen. Kürzungen bei Kitas und Privatschulen zeugten von Konzeptlosigkeit.
An den Schulen falle nach wie vor Unterricht aus und selbst viele Gymnasiasten könnten noch nicht ausreichend Deutsch, monierte CDU-Vertreter Uwe Goetze. "Ihre vermeintliche Erfolgsbilanz ist keine." Wie die CDU sieht die FDP in der Verkürzung der Schulzeit auf zwölfeinhalb Jahre nur einen halbherzigen Reformschritt. Auch der Fremdsprachenbeginn ab Klasse 3 sei "als Prestigeobjekt" ungeeignet, sagte FDP-Schulexpertin Mieke Senftleben. Der Frühstart überfordere viele ausländische Kinder, zudem fehlten die nötigen Fachlehrer.
Senator Böger sieht die Schulen dagegen auf gutem Wege. Er verwies auf sein Sieben-Punkte-Programm als Antwort auf Pisa. Dazu zählen bessere vorschulische Bildung, der Ausbau von Ganztagsschulen, die Förderung von Kindern aus sozial schwachen und ausländischen Familien, die Oberstufenreform, mehr Eigenverantwortung für die Schulen, bessere Lehrerbildung und mehr Qualitätskontrolle. "Die Erfolge dieser Reformschritte lassen sich aber nicht in ein oder zwei Jahren ablesen", warnte Böger. "Wer etwas anderes sagt, belügt sich selbst." Die Landesregierung werde an der sechsjährigen Grundschule festhalten. Pisa habe gezeigt, wie negativ eine frühe Selektion ist. Notwendig sei es aber, exakte Leistungsstandards zu definieren




