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Dürftige Mogelpackung

15.02.2008: Berliner Zeitung

Eltern, Opposition und Gewerkschaft lehnen die Veränderungen von Bildungssenator Zöllner ab

Tobias Miller

Die Eltern sind enttäuscht von den Veränderungen, die Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) für das nächste Schuljahr angekündigt hat. "Das ist ein bisschen dürftig", sagte André Schindler, Vorsitzender des Landeselternausschusses. Zöllner hat am Mittwoch sein neues Modell für die Verteilung der Lehrer auf die Schulen vorgestellt. Außerdem hat er versprochen, dass für den altersgemischten Unterricht in den ersten beiden Klassenstufen an den Grundschulen und für die Ganztagsgrundschulen insgesamt rund 190 bis 200 Erzieherstellen zusätzlich besetzt werden können.

Man habe mit einer "Einstellungsoffensive für die Schulanfangsphase" gerechnet, sagte Schindler. "Wir brauchen eigentlich neue Lehrer, die bereits in ihrer Ausbildung gelernt haben, mit altersgemischten Lerngruppen zu arbeiten." Die neuen Erzieher seien für die Arbeit in jahrgangsübergreifenden Klassen zwar ein "kleiner Anreiz", aber die grundsätzlichen Bedenken in den Lehrerzimmern würden so nicht ausgeräumt. Schindler begrüßt allerdings auch Zöllners Versuch, die Lehrerstellen für die Sprachförderung fairer und transparenter zu verteilen. Bislang wurden die Stunden für die Förderung Deutsch als Zweitsprache an die bezirklichen Schulämter gegeben, die die Stunden dann oft nach nicht nachvollziehbaren Kriterien auf die Schulen verteilt haben.

Die Opposition im Abgeordnetenhaus reagiert unterschiedlich auf die angekündigten Veränderungen. Um die Stellen für die Sprachförderung werde es einen heftigen Verteilungskampf geben, kritisiert Mieke Senftleben, bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion. Die versprochenen 200 Erzieher reichten nicht aus. "Das ist nicht mal eine Stelle für jede Grundschule. Und dass der jahrgangsübergreifende Unterricht nicht mehr für alle Schulen vom nächsten Schuljahr an Pflicht ist, "frustriert die, die trotz der widrigen Umstände damit schon angefangen haben", sagte Senftleben.

Richtig sei die längst notwendige, aber immer noch nicht ausreichende Einstellung von neuem Erziehungspersonal, sagte Senftlebens Kollege von den Grünen, Özcan Mutlu. Als unvertretbar bezeichnete Mutlu den neuen Verteilerschlüssel für die Stellen zur Sprachförderung. Künftig soll nicht nur der Anteil nichtdeutscher Kinder über die Zuteilung entscheiden, sondern auch die Quote der Kinder, die von der Lernmittelzuzahlung befreit sind. Der Grundgedanke: Auch sozial schwache deutsche Kinder brauchen Sprachförderung. Mutlu: "Hier wird zum Nachteil derjenigen umverteilt, die eine Förderung am nötigsten haben." Wie schon die Lehrerverbände fürchtet auch Mutlu, dass die großen Verlierer der Neuverteilung die Schulen in den sozialen Brennpunktgebieten in der Innenstadt sein werden.

Von einer Mogelpackung spricht der CDU-Bildungsexperte Sascha Steuer. "Von Rechenmodellen, die den Mangel nur anders verteilen, haben die Berliner Schüler, Lehrer und Eltern genug", sagte er. Die Union fordert, die durch zurückgehende Schülerzahlen frei werdenden Lehrerstellen nicht abzubauen, sondern für pädagogische Verbesserungen zu investieren.

Scharf kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) das Vorhaben, für Kinder mit Lernbehinderung oder Verhaltensauffälligkeiten temporäre Lerngruppen einzurichten. Das sei ein einschneidender Angriff auf die gemeinsame Erziehung, sagte GEW-Chefin Rose-Marie Seggelke.

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