Ein Jahr nach PISA
07.01.2003: außer Spesen, nichts gewesen!
Ein Jahr nach PISA und ein Jahr mit der rot-roten Regierungskoalition ist die Bilanz für die Ber-liner Schulen mager. Statt den Rückenwind von PISA zu nutzen, um mutige Reformen anzu-stoßen, hat sich der Senat und die Senatsschulverwaltung immer mehr in Zahlen, selbstge-machtem Zeitdruck und handwerklicher Ungeschicklichkeit verheddert. Mit Schulsenator Bö-ger wurde vieles anders - aber kaum etwas besser. Besorgniserregend ist momentan der Ausblick in das Jahr 2003: Vor uns liegt die Diskussion um ein neues Berliner Schulgesetz. Erfreulich am Schulgesetzentwurf ist die Entscheidung, den Schulen ein wesentlich höheres Maß an Autonomie zuzubilligen als bisher. Trotz dem gibt es aber eine ganze Reihe von Schwachstellen: Zum Beispiel Sitzen bleiben in der Grundschule. Leider hat Schulsenator Böger aus PISA für die Grundstufe die falsche Schlussfolgerung gezo-gen. Während in den erfolgreichen skandinavischen Ländern das Sitzen bleiben nahezu unbe-kannt ist, räumt Berlin diese „Chance“ nun auch den Grundschülern ein. Zu kritisieren ist auch, dass die Reform der gymnasialen Oberstufe bei einer zeitlichen Verkürzung stehen geblieben ist. Obwohl keine Gesamtkonzeption vorliegt, soll das Gesetz unter enormem Zeit-druck durchgesetzt werden. Außerdem wurden die Schülerinnen und Schüler, die Eltern und die Schulen Ende des Jahres gleich von mehreren Hiobsbotschaften heimgesucht: Erhöhung der Lehrerarbeitszeit, Ab-schaffung der Lernmittelfreiheit und die Ankündigung wieder bei den Kleinsten zu kürzen, nämlich durch Erhöhung der Kitabeiträge. Das überhastete und konzeptlose Vorgehen des rot-roten Senats in der Schulpolitik läßt kein Raum für langfristige Qualitätsentwicklung. Leidtragende sind wieder einmal die Kleinsten in der Gesellschaft. Könnten Kinder und Jugendlichen diesem Senat benoten, wäre das Ergebnis nicht erquickend: Klassenziel verfehlt - sitzen bleiben!




