Jede fünfte Berliner Schule muss Qualität steigern
30.06.2008: Berliner Kurier
FDP bezeichnet Inspektionsbericht als blamabel - CDU fordert Sofortmaßnahmen. Knapp ein Fünftel von 150 inspizierten Berliner Schulen hat Bedarf an Qualitätsverbesserung. Das geht aus dem Bericht der Schulinspektion 2006/2007 hervor. 28 Schulen hätten einen höheren Fortbildungs- und Beratungsbedarf, den die Schulaufsicht derzeit mit den Schulen abstimme, sagte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) am Montag in Berlin. Darunter seien sechs, die erheblichen Entwicklungsbedarf aufwiesen. 80 Prozent der Schulen dagegen erfüllten die Qualitätsanforderungen.
Die FDP-Fraktion bezeichnete die Ergebnisse der Schulinspektionen als "blamabel". Die CDU-Fraktion kritisierte die ihrer Ansicht nach zu späte Veröffentlichung des Berichts. Der Landeselternausschuss hat die im Schulinspektionsbericht aufgezeigten Defizite als bedenklich eingestuft. Die Grünen forderten, dringend Maßnahmen zur Behebung der Mängel einzuleiten.
"Die Ergebnisse bestätigen meinen Eindruck von der Qualität der großen Mehrzahl, aber auch den Nachholbedarf einer immer noch viel zu großen, wenn auch Minderheit von Berliner Schulen", sagte Zöllner.
Es sei zudem deutlich geworden, dass den Schulleitern eine entscheidende Aufgabe bei der Entwicklung der Bildungseinrichtung zukomme. Deshalb werde bis Ende des Jahres ein umfassendes Qualifizierungskonzept für Schulleiter erarbeitet, fügte der Senator hinzu. Dieses beinhalte unter anderem die professionelle Vorbereitung auf die Schulleitungstätigkeit, verpflichtende Fortbildungen für Führungspersonal sowie die Verkürzung der Besetzungsverfahren.
Die Schulinspektionen hätten keine Hinweise ergeben auf einen bedeutsamen Zusammenhang zwischen der Schulart oder dem Standort der Schule und den festgestellten Qualitätsprofilen, ergänzte Zöllner.
Nach Auffassung der bildungspolitischen Sprecherin der FDP-Fraktion, Mieke Senftleben, genügt es nicht, den Schulleitern eine entscheidende Aufgabe bei der Entwicklung der Bildungseinrichtungen zuzusprechen. Es fehlten die Unterstützung und konkrete Hilfe vor Ort. Zöllner müsse deshalb unverzüglich Teams in die betroffenen Schulen schicken, um vor Ort Zielvereinbarungen zur Qualitätsverbesserung zu formulieren, forderte Senftleben.
Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sascha Steuer, kritisierte, dass Zöllner den Inspektionsbericht sechs Monate unter Verschluss gehalten habe. Dadurch sei viel Zeit vergeudet worden. "Das ist verantwortungslos, da wieder einmal die Schüler die Leidtragenden sind", betonte der Politiker. Steuer forderte den Bildungssenator auf, "den Handlungsempfehlungen der Schulinspektion umgehend zu folgen, damit die Mängel an den betroffenen Schulen schnellstmöglich behoben werden können".
Der Landeselternausschuss kritisierte unter anderem, dass rund 80 Prozent der Schulen Entwicklungsbedarf bei der Förderung der Methodenkompetenz der Schüler hätten. Außerdem mangele es am konzeptionellen und systematischen Einsatz moderner Unterrichtstechnologien.
Der bildungspolitische Sprecher der Grünen, Özcan Mutlu, forderte eine Fort- und Weiterbildungsoffensive für Lehrer und Schulleitungen. Auch für die Lehrerausbildung müssten entsprechende Konsequenzen gezogen werden.
"Die Lehrerausbildung ist ein Schlüssel zur Schulreform", betonte Mutlu. Deshalb müsse sie sowohl in ihren Inhalten als auch in ihren Institutionen verbessert und verändert werden. Dazu gehöre das Erlernen von Methoden-, Moderations- und Reflexionskompetenz sowie die Fähigkeit zur Teamarbeit und Führungsverantwortung, ergänzte Mutlu.
(Quellen: Zöllner vor Journalisten, alle anderen in Mitteilungen)
www.berlinonline.de/aktuelles/berlin/detail_ddp_2148349780.php




