Böger Mitschuld am Lehrermangel an vielen Schulen
Oliver Schruoffeneger, haushaltpolitischer Sprecher, und Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, erklären:
Schulsenator Böger hat dem Hauptausschuss die Zahlen zur personellen Ausstattung der Berliner Schulen vorgelegt. Angeblich waren alle Bezirke zum Stichtag mit über 105 Prozent ausgestattet und die Unterrichtsversorgung betrug im Schnitt 107 Prozent (einschließlich der Dauerkranken). Trotzdem müssen zahlreiche Schulen mit weniger als 100 Prozent Unterrichtsversorgung auskommen, trotzdem schreit der Unterrichtsausfall vor Ort zum Himmel, auch wenn die Statistiker um Herrn Böger herum das nicht wahrhaben wollen.
Es ist eine Mär, dass es zu viele LehrerInnen in Berlin gibt und die Schulen gut ausgestattet seien! Die Realität des Berliner Schulalltags sieht anders aus. Kaum eine Berliner Schule kann einen regulären Unterrichtsbetrieb gewährleisten. Der Unterrichtsausfall hat mancherorts bedrohliche Zustände angenommen. Leidtragende sind die SchülerInnen. Besonders dramatisch wird sich die Unterversorgung auf die flexible Schuleingangsphase auswirken: Ohne qualifiziertes Personal und eine zuverlässige Personalplanung wird diese Reform scheitern.
Der Senat muss endlich tätig zu werden. Ohne Neueinstellungen wird es keinen wirksamen Schutz vor Unterrichtsausfall geben. Die Schulen müssen in die Lage versetzt werden, Unterrichtsausfall selbstständig auf ein Minimum zu reduzieren. Dazu brauchen sie ein eigenes Personalbudget und einen landesweiten Pool als Vertretungsreserve für dauerkranke Lehrkräfte.
Vorhandenen Lehrer müssen zielgerichtet eingesetzt werden. In einigen Bereichen gibt es eine deutliche Überversorgung: Die Realschulen in Mitte sind mit 119,8 Prozent ausgestattet gewesen (1.11.2005), in Charlottenburg Wilmersdorf mit 118,1 Prozent und in Reinickendorf mit 113,6 Prozent. Die Hauptschulen in Treptow/Köpenick dagegen haben nur eine Lehrerzuweisung von 99,1 Prozent und auch die Grundschulen in Neukölln oder Reinickendorf können mit einer Zuweisung von 102,9 Prozent bzw. 103,4 Prozent keinen regulären Stundenplan aufstellen, wenn Dauerkranke und normale Vertretungsreserven berücksichtigt werden.
Bögers Verwaltung stochert im Nebel statt eine geordnete Personalplanung angepasst an die Realitäten der Schülerzahlen für jede Schule vorzulegen




