Ergebnisse des ersten Mittleren Schulabschlusses nicht erfreulich!
Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher, erklärt:
Anders als von Bildungssenator Böger dargestellt, sind die Ergebnisse des ersten Mittleren Schulabschluss in Berlin nicht erfreulich! Maßstab für die Angemessenheit der Aufgaben bzw. für den wirklichen Leistungsstand der Berliner SchülerInnen sind nicht die Gesamtergebnisse einschließlich der GymnasiastInnen, sondern die der ca. 13.000 Real-, Haupt- und GesamtschülerInnen. Für diese Schülergruppen sehen die Ergebnisse deutlich schlechter aus: Nur 70 Prozent der GesamtschülerInnen bzw. 72 Prozent der SchülerInnen aus verbundenen Haupt-/Realschulen haben bestanden, von den RealschülerInnen haben 81 Prozent bestanden. Das bedeutet, fast jede 5. RealschülerIn verlässt die Schule ohne Realschulabschluss oder muss die Jahrgangsstufe 10 wiederholen!
Schaut man sich die Fächerergebnisse an, wird deutlich, dass die zentralen Mathematikaufgaben anderen fachlichen und didaktischen Konzepten folgen als der gegenwärtige Mathematikunterricht. Das wird an den dramatisch schlechten Durchschnittsnoten im Prüfungsfach Mathematik deutlich: Bei fast allen SchülerInnen außerhalb der Gymnasien liegen die Prüfungsnoten in Mathematik um 1,0 bis 1,5 Noten schlechter als die Jahrgangsnoten aus dem Unterricht der 10. Jahrgangsstufe. Die seit PISA 2000 und 2003 hinlänglich bekannten Leistungsschwächen am Ende der Sekundarstufe 10 lassen sich aber nur durch besseren Unterricht beheben. Andernfalls müssen SchülerInnen die Folgen eines falsch angelegten Mathematikunterrichtes individuell mit dem Verlust des Schulabschlusses ausbaden!
Verschärft wurde das Dilemma durch die Entscheidung der Bildungsverwaltung, den Schulabschluss auch an das Bestehen des zentralen Prüfungsteils zu binden. Der Senator sollte offen legen, wie viele SchülerInnen dadurch keinen Abschluss erreicht haben. Berlin sollte künftig dem Beispiel Brandenburgs folgen und die Noten aus zentralen Prüfungen in die Jahrgangsnoten integrieren, um auf diese Weise interne Ausgleichsmöglichkeiten zu schaffen. Dies vermeidet auch das Risiko, dass zentrale Aufgabenkommissionen mit zu schweren oder zu leichten Aufgabenstellungen jährlich stark wechselnde Abschlussquoten bewirken.




