Programm "rauchfreie Schulen" durch ein generelles Rauchverbot an Schulen unterstützen
09.06.2004: Dr: 15/2927
Antrag der Abgeordneten Claudia Hämmerling, Özcan Mutlu sowie weiterer 74 Abgeordneter: Programm "rauchfreie Schulen" durch ein generelles Rauchverbot an Schulen unterstützen
Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:
Der Senat wird aufgefordert, die Initiativen für "rauchfreie Schulen" für alle Berliner Schulen verbindlich zu machen und diese Initiative durch ein generelles Rauchverbot an allen Berliner Schulen zu unterstützen.
Begründung: Das Einstiegsalter, in dem Kinder erstmalig zur Zigarette greifen, ist auf 11,6 Jahre gesunken. Jeder fünfte Schüler und jede fünfte Schülerin konsumiert regelmäßig Tabak. Das frühe und regelmäßige Rauchen gilt als deutlicher Indikator einer späteren Suchtentwicklung. In Deutschland rauchen 17,8 Mio. Menschen zwischen 18 und 59 Jahren. 100 000 Menschen sterben jährlich an den Folgen des Tabakkonsums. Zudem geht das Robert-Koch-Institut davon aus, dass in Deutschland jährlich bis zu 5.000 Menschen durch passiv Rauchen sterben.
Aus diesen Gründen sind an einigen Berliner Schulen auf Betreiben engagierter Lehrer und Lehrrinnen sowie Elternvertretungen Initiativen für "rauchfreie Schulen" entstanden. Hier bekommen die Schüler und Schülerinnen nicht nur Aufklärung über die Gefahren des Rauchens sondern auch praktische Unterstützung zur Entwöhnung und Alternativen in Form interessanter und gesunder Freizeitgestaltung geboten.
Die bisherige Praxis, in Schulen auf Aufklärung und freiwilligen Nikotinverzicht zu setzen, hatte nicht den gewünschten Erfolg. Rauchen gilt als cool und wird als Freiheit begriffen. Wenn Jugendliche rauchen, liegt dem oft ein hoher Gruppendruck zugrunde.
Professor Hurrelmann von der Universität Bielefeld hat in einer breit angelegten Studie in Nordrheinwestfalen ermittelt, dass 27 % aller Schülerinnen und Schüler ihre Lehrerinnen und Lehrer täglich beim Rauchen beobachten.
So lange Lehrer und Lehrerinnen in der Schule ihrer Nikotinsucht frönen können, sind sie negative Vorbilder. Sie dienen Schülern und Schülerinnen als Alibi für deren Zigarettenkonsum. Die Bemühungen der Lehrerkräfte, über die schädlichen Folgen des Rauchens aufzuklären sind unglaubwürdig, so lange zumindest einige von ihnen selbst in der Schule als Rauchende wahrgenommen werden. Selbst dann, wenn rauchende Lehrerinnen und Lehrer durch die Lehrerzimmertür vor den Augen der Schülerinnen und Schüler verborgen sind, ist der Zigarettenqualm deutlich in den Gängen des Schulgebäudes zu riechen.
Mittlerweile haben sich die Bundesdrogenbeauftragte und der Philologenverband auch für ein generelles Rauchverbot an Schulen ausgesprochen.
Deshalb soll auf dem gesamten Schulgelände, auf dem Pausenhof und auch in den Lehrerzimmern ein generelles Rauchverbot erlassen werden. Das Rauchverbot soll an allen Schulen durch Anti-Rauch-Programme unterstützt werden, wie sie heute schon an einigen Schulen praktiziert werden. Auch Zigarettenwerbung und Zigarettenautomaten sollen künftig im Umfeld von Schulen nicht aufgestellt werden. Die skandinavischen Länder waren erfolgreich damit, ein generelles Rauchverbot an Schulen zu erlassen. Hier konnte der Anteil der Nichtraucher und Nichtraucherinnen an der Gesamtbevölkerung gesteigert werden, weil Jugendlichen der Einstieg in die Nikotinsucht in der Schule erschwert wurde.
Berlin, den 09.06.2004 Claudia Hämmerling und 74 weitere Mitglieder des Abgeordnetenhauses
Den Antrag können Sie nachfolgend herunterladen.




