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"Die Schule muss neutral bleiben"

24.09.2009: Frankfurter Rundschau

Herr Mutlu, am Dienstag entscheidet das Verwaltungsgericht Berlin, ob eine Schule einem muslimischen Schüler Raum für ein ungestörtes Gebet zur Verfügung stellen muss. Womit rechnen Sie?

Ich hoffe sehr, dass das Gericht sein Urteil aus dem Eilverfahren vom vergangenen Jahr revidiert. Die Schule ist ein neutraler Ort. Kreuze und Kopftücher haben dort ebenso wenig etwas zu suchen wie Beichtstühle oder Gebetsräume. Dass die Berliner sich die Schule als religionsfreien Ort wünschen, hat in diesem Jahr erst das gescheiterte Volksbegehren für die Einführung des Religionsunterrichts als Wahlpflichtfach bewiesen.

Nun könnte sich auch das Gericht auf Neutralität beziehen und sagen: Der Schüler braucht einen ungestörten Raum, damit andere nicht mit seinem Gebet konfrontiert werden ...

Es bleibt dabei: Die Schule ist ein Raum der Pädagogik und nicht des Gebets, egal welcher Religion. Wenn Sie einmal damit beginnen, sich auf betende Schüler einzustellen, ist das Ende nicht absehbar: Soll am Ende der Stundenplan auf die sich täglich ändernden Gebetszeiten eingetaktet werden? Das ist absurd und völlig unnötig. Im Koran steht ausdrücklich, dass Gebete nachgeholt werden können. Schüler, die dem Unterricht folgen müssen, sind eben ungewollt verhindert, Punkt.

Sie befürchten Desintegration. Warum?

Weil das Gericht einen Präzedenzfall schaffen und zur bundesweiten Nachahmung anregen würde.

Nun fordert das Gericht nicht einen islamischen Gebetsraum, sondern einen ungestörten Ort zum Gebet.

Bei der Raumknappheit in Berliner Schulen möchte ich wissen, wie das umgesetzt werden soll!

Auch an den Universitäten gibt es Gebetsräume.

Das ist etwas völlig anderes. Eine Uni ist ein Riesenbetrieb. Da findet sich eher ein Eckchen, und es gibt keinen festen Stundenplan. Vor allem aber sind Studenten erwachsene Menschen, die aus freien Stücken entscheiden können. An der Schule haben wir es mit Kindern zu tun. Und da droht noch eine andere Gefahr: Dass nämlich die, die nicht beten, unter Druck gesetzt werden, weil sie angeblich ihren religiösen Pflichten nicht nachkommen.

Interview: Jeannette Goddar

www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/1970331_oezcan-Mutlu-im-FR-Interview-Die-Schule-muss-neutral-bleiben.html

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