Das Miteinander aller Kulturen fördern!
Rechtsextreme Einstellungen finden wir heute mitten in der Gesellschaft. Nicht nur primär bei verwirrten Jugendlichen sondern als Folge einer Haltung, die gerade auch Erwachsene an den Tag legen. Weit über zehn Prozent der Bevölkerung vertreten rechtsextreme Meinungen. Diese zu ändern und zu bekämpfen bedarf es einer deutlichen Ächtung und einer Vielzahl von Maßnahmen.
Dabei kommt der Jugendarbeit ein große Bedeutung zu. Es ist aber ein Irrglaube, davon auszugehen, dass allein ein Mehr an Jugendarbeit das Problem lösen könne. Zu oft wird übersehen, dass es insbesondere an Orten mit zahlreichen Jugendeinrichtungen zu Gewalttaten kommt. Nicht quantitative sondern qualitative Jugendarbeit ist nötig. Die ursprüngliche Intention, rechtsextreme Jugendliche durch spezielle Angebote zu erreichen und ihnen demokratische Werte näher zu bringen ist an vielen Orten ad absurdum geführt worden. Viele Jugendclubs wurden inzwischen von Rechtsradikalen übernommen, so dass demokratische Jugendliche keinen Zugang mehr haben. Oft wird auf demokratische Wertevermittlung verzichtet, das Hören rechtsradikaler Musik oder das Verbreiten rechtsextremer Propaganda wird geduldet. Eine gute Jugendarbeit aber erfordert im Umgang mit Rechtsextremismus geschultes Personal, welches demokratische Werte glaubhaft verteidigt und vermittelt. Hier muss man in punkto Jugendarbeit als erstes ansetzen.
Das Übel muss an der Wurzel angepackt werden! Deshalb sind bei der Bekämpfung von rechtsradikalen Tendenzen die Schulen von besonderer Bedeutung. Hier müssen gezielt Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen stattfinden. Es geht nicht um ein Gegeneinander oder ein Nebeneinander, sondern um ein Miteinander, das es zu fördern gilt.
Gemeinsam aufwachsen mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, das frühzeitige Erlernen anderer Sprachen, das Wissen um interkulturelle Sitten und Gebräuche verschafft Respekt und Achtung unter Menschen verschiedener Kulturen. Interkulturelle Erziehung lässt Grenzen in den Köpfen erst gar nicht entstehen. Ganz im Gegenteil - sie schafft Begegnungen und baut Ängste ab.
Aus diesem Grund muss die an einigen Berliner Kindertagesstätten und Grundschulen bereits praktizierte interkulturelle Erziehung endlich aus ihrem Nischendasein heraus und in allen Kitas und Schulen der Republik - insbesondere aber in den neuen Bundesländern - zur dauerhaften Einrichtung werden. Die Realität der Einwanderungsgesellschaft muss sich im Curriculum, im Unterricht und in Schulbüchern wiederfinden.
Ein gelungenes Beispiel für interkulturelle Erziehung sind die Berliner Europaschulen, in denen SchülerInnen von der Vorschule an zweisprachig miteinander lernen und auch am Nachmittag die Freizeit miteinander gestalten. Gemeinsamer Unterricht über die Weltreligionen in Sozialkunde/Ethik kann ebenfalls zu gegenseitigem Verständnis und Respekt vor den kulturellen Hintergründen der MitschülerInnen beitragen. Werte lassen sich schwer unterrichten, sie müssen auch vorgelebt und erfahren werden. Die Berliner Schule muss sich den fremdenfeindlichen Tendenzen stellen. LehrerInnen müssen für interkulturellen Unterricht aus- und fortgebildet werden. Und: Sie dürfen nicht länger bei ausländerfeindlichen Sprüchen und Anmache weghören und wegsehen.
Die Schulen besitzen eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Gerade da, wo Eltern ihrer Aufgabe zu demokratischer Werteerziehung nicht nachkommen wollen oder können. Der Lehrerschaft muss von den Behörden eine umfangreiche Argumentationshilfe zur Verfügung gestellt werden. Die Lehrerfortbildung muss sich intensiv um solche Angebote kümmern.
Eine andere Möglichkeit der Begegnung schaffen Schulpartnerschaften. Dieser bisher leider nur halbherzig praktizierte Austausch zwischen einigen Brandenburger und Berliner Schulen fördert bei entsprechendem Willen und der entsprechenden Konzeption das gegenseitige Kennerlernen und den Dialog.
Es gilt, den Bildungsauftrag Demokratie zu verwirklichen - nicht mehr und nicht weniger.
Zusammenfassende Forderungen: Fort- und Weiterbildung für Sozialarbeiter Ausbau und Ausweitung der interkulturellen Erziehung an Kitas und Schulen Änderung der Rahmenpläne um dem Anspruch der Einwanderungsgesellschaft gerecht zu werden Weltreligionskunde im Fach Sozialkunde/Ethik Schulbücher müssen die Realität der Einwanderung berücksichtigen Gründung weiterer Europaschulen Keine Mittelkürzungen bei Projekten des außerschulischen Bildungswesen und Jugendbildungsstätten LehrerInnen müssen für interkulturellen Unterricht aus- und fortgebildet werden LehrerInnenausbildung muss Bausteine für interkulturelle Erziehung umfassen Gründung und Förderung von Schulpartnerschaften




