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Fachlehrermangel: Bildungsexperten warnen vor Billig-Lösung

Von Christa Beckmann

"Bildungspolitische Katastrophe", "Armutszeugnis", "einzige verbleibende Chance": Der Plan von Bildungssenator Klaus Böger (SPD), den Mangel an Fachlehrern durch die Einstellung von Hochschulabsolventen ohne Lehramtsstudium auszugleichen, hat bei Lehrern, Eltern und Politikern unterschiedlich heftige Reaktionen hervorgerufen. Einig waren sich alle nur in einem: Der Lehrermangel ist absehbar gewesen, getan wurde nichts dagegen.

Mit seiner "Quereinsteiger"-Initiative "hat Böger erstmals zugegeben, dass sich Berlin vor einem dramatischen Lehrerengpass befindet", sagt FDP-Bildungsexpertin Mieke Senftleben. Sie sieht durch den Mangel sogar die Berliner Bildungsreform in Gefahr.

Ihr Kollege von den Grünen, Özcan Mutlu, bezweifelt, dass das Problem durch "Ersatz-Lehrer mit pädagogischen Crash-Kurs" gelöst werden kann. Statt alles zu tun, um den Lehrerberuf attraktiver zu machen, habe der Senat die Arbeitsbedingungen verschlechtert und Anwärter durch Einstellungsstopps vergrault.

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, André Schindler, fürchtet zudem, dass sich nur die zweite Garde von Diplomanden für den Schuldienst bewerben werde: "Gute Leute gehen in die Wirtschaft, wo sie wesentlich mehr verdienen." Andererseits könnten die Externen "frischen Wind in die Kollegien bringen". Schindler kann sich vor allem einen Einsatz in der Oberstufe vorstellen, "wo pädagogische Fähigkeiten nicht mehr so entscheidend sind".

Heidrun Quandt, Vizevorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, hält einen Einsatz auch dort nicht für vertretbar: "Es nützt den Schülern nichts, wenn der Lehrer vorne doziert." Reine Wissensvermittlung reiche gerade bei den immer größer werdenden sozialen Problemen in der Schule nicht aus.

Dass sich viele Quereinsteiger falsche Vorstellungen vom Lehrerberuf machen, hat auch Pit Rulff, der Leiter des Oberstufenzentrums Druck- und Medientechnik, erfahren. 457 der 4620 Lehrkräfte an den Berliner Berufsschulen sind zurzeit so genannte "Lehrer ohne volle Lehrbefähigung". Wenn jetzt alle Schulen für diese Kräfte geöffnet werden sollen, müsse wenigstens ein berufsbegleitendes Referendariat mit Abschlussprüfung und Lehrproben vorgeschrieben werden, fordert Rulff. "Und die Bezahlung muss so sein, dass auch gute Leute kommen." Heute verdient ein 37 Jahre alter Quereinsteiger monatlich etwa 400 Euro weniger als sein angestellter Kollege mit Lehramtsstudium.

Vor "Billiglehrern" warnt auch Harald Mier, Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren. Zu allererst müssten - trotz Haushaltsmisere - alle Nachwuchslehrer mit Mangelfächern eingestellt werden, die noch auf Anstellung warten, fordert Mier: "Berlin hat zehn Jahre lang hervorragend ausgebildete Referendare in andere Bundesländer ziehen lassen. Jetzt bekommen wir die Quittung."

Dass Diplom-Physiker oder Mathematiker unterrichten, ist kein Novum für die Berliner Schulen. Bereits in den siebziger Jahren wurden Lücken in den Kollegien mit Naturwissenschaftlern aus Wirtschaft und Hochschulen gefüllt.

Quelle: morgenpost.berlin1.de/inhalt/berlin/story668802.html

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